Das war Skandinavien

Heute Morgen sind wir mit der Autofähre von Helsinki über den finnischen Meerbusen nach Tallin, Estland, übergesetzt. Die zweieinhalbstündige Fahrt saßen wir oben im Bug und konnten auf das ruhige Wasser hinausschauen. Zeit zu träumen. Zeit, zurück zu blicken.
Vor zweieinhalb Wochen sind wir in Arpke losgefahren. In dieser kurzen Zeit haben wir einiges erlebt.
Da war die Lappeasuando Lodge im Norden Schwedens, eine der zwei Telefonnummern, die abnahm! In ganz Schweden! Und die Person am anderen Ende war nicht nur sehr freundlich als ich sie höflich fragte, ob wir englisch sprechen könnten, sie bot sogar an, deutsch zu sprechen. Wir fühlten uns und waren willkommen! Es war so gemütlich dort im Café und Restaurant mit Kachelofen, aber auch das Servicehaus für uns Camper war gemütlich und gastfreundlich eingerichtet. Und was war da plötzlich los? Die Schwedin am Telefon, die Betreiberin der Anlage mit Gästezimmern und allerlei Freizeitangeboten sprach nicht nur Deutsch, sie ist Deutsche. Und die fleißige Servicekraft ist die italienische Lebensgefährtin des Italieners, der sich als Mann für nahezu Alles herausstellte und vor Freude fast ausflippte, als er die bunte GERDA sah. Zu empfehlen auch der Koch mit dem guten Geschmack, ein Ukrainer. Aber wo waren die Schweden? Im Winterschlaf…

Die unvergessliche Hundeschlittenfahrt, an der wir hier kurzfristig teilnehmen konnten, weil andere Gäste nicht gekommen waren.

Auf Jokkmokk in Schweden auf dem Polarkreis liegend und Zentrum der Schwedischen Samen hatte ich mich gefreut, aber alles war geschlossen. Es gab nichts zu tun für uns.

Dann Finnland und Sirkka mit seinem trubeligen Schneezirkus! Schon jenseits des Polarkreises, aber voller sprudelnden Lebens.

Und dann Inari im hohen Nordens Finnlands und Zentrum der finnischen Samen. Hier war der Tag schon sehr kurz. Und dann, zu Sylvester und Dank Hetie (so, oder so ähnlich hieß die freundliche Finnin), die uns die Polarlichter in der Sylvesternacht zeigte. Das werde ich nie vergessen. Und wie sie uns zum Abschied umarmte und am nächsten Morgen bei unserer frühen Abreise verschlafen und mit zerzausten Haaren aus der Koje ihres Wohnwagens zum Abschied winkte.

Rovaniemi, das Weihnachtsmanndorf. Der im großen Stil angelegte Weihnachtsmannnepp.

Unsere abendliche Rentierfahrt in der Nähe von Rovaniemi ist dann in unserer Erzählung etwas kurz geraten. Dabei war es ein so schönes Erlebnis. Es waren -25 Grad Celsius und der Schnoppen gefror einem in der Nase, beim ersten, unvorsichtigen Einatmen überkam einen ein Hustenschauer. Über all die Lagen von wärmenden Klamotten einschl. Daunenmantel bekamen wir noch einen Overall an. Lieber schwitzen als frieren. So ließen wir uns von unserem Rentier Blacky durch die Polarnacht und durch den Wald ziehen, eine gute Stunde lang. Danach jede Menge Infos bei heißem Glöck (Glöck kommt von Glück, glaube ich🙃) in der befeuerten Kota. Rentiere füttern. Und wir bekamen die Erlaubnis, mit unserer GERDA dort die Nacht zu verbringen. Wie herrlich, wir könnten am nächsten Morgen noch mal die Rentiere besuchen! Aber dann kam spät Abends die Ernüchterung im wahrsten Sinne des Wortes! Unsere Standheizung gab den Geist auf! Sie heizte nicht mehr! Nur noch schlecht riechende, kalte Luft blies sie in unsere GERDA. Das war richtig Scheisse! Alles andere als trivial. Es war schnell ausdiskutiert: ein Hotelzimmer inmitten der Nacht zu suchen kam nicht in Frage. Bei den Temperaturen wäre alles gefroren, all unsere Vorräte. Keine Ahnung, wie Dosensuppe und Tomatensauce im Glas so eine Eiszeit ausgehalten hätten. Es war schnell klar: wir müssen fahren. Richtung Süden. Raus aus diesem Eisschrank. Und wenn wir müde sind und Schlaf brauchen, den Motor laufen lassen, damit die Fahrzeugheizung wenigstens noch ein wenig wärmt. Es war hinten in GERDA trotzdem eisekalt. Kurt fuhr, und ich legte mich ins Bett um ein wenig zu schlafen. Irgendwann wurde ich wach, weil Kurt von der Straße runter fuhr, tankte, Parkplatz aufsuchte, die Frontscheibe mit der Isomatte abdeckte und sich dann zu mir ins Bett legte. Bei dem laufenden Motor konnte ich nicht mehr einschlafen und machte mich auf, weiter zu fahren. Ich dachte, langsam fahren ist immer noch besser, als mit laufenden Motor auf der Stelle zu stehen. Einige Zeit später hatte auch Kurt erstmal ausgeschlafen, checkte die Standheizung und sah noch mal in die Unterlagen. Sie sollte eigentlich von +40 bis -40 Grad funktionieren. Aber vielleicht nicht im Dauerlauf, denn sie lief ja schon seit über 24 Stunden, als sie den Geist aufgab…Nach einigem hin- und herschalten, lief die Standheizung wieder an und blies auch wieder heiße Luft in den Wagen! Was für ein Segen! Wir hatten mal wieder Glück, weil wir kurz vor Reeha waren, wo wir am Bottnischen Meerbusen eigentlich die kommende Nacht auf dem Campingplatz verbringen wollten. Also steuerten wir den Campingplatz an, die Standheizung tat bei nur noch -10 Grad ihren Dienst. Alles war gut.

Dann Helsinki und seine Felsenkirche…

Die Finnen und die Schweden

Also ich kann nicht anders, ich mag die Finnen! Z.B. die Campingplätze! In Schweden gab es in jeder kleineren und größeren Stadt einen Campingplatz der Kette First Camp. Die sind zu dieser Jahreszeit aber nicht unbedingt mit Personal besetzt. Wie früher schon beschrieben, sind die Schweden im Winterschlaf. Es gibt aber ein Onlinbuchungssystem, allein, es war uns unmöglich herauszufinden, wie man auf dieser Platform einen Campingplatz bucht. Es war zu verzweifeln! Du stehst vor dem Schlagbaum, siehst, dass da jede Menge Platz ist, alles schön beleuchtet, aber kein Mensch an der Rezeption. Die angegebene Telefonnummer wird nicht bedient und das Geheimnis mit der Onlinebuchung haben konnten wir nicht knacken. Hier in Finnland sind die Rezeptionen auch nicht besetzt, aber die Telefonnummern funktionieren. Es wird darauf vertraut, dass wir freiwillig bezahlen, bekommen den Zugangscode für die Sanitäreinrichtungen durchs Telefon genannt und dürfen uns einrichten. Die Dame hinter der Telefonnummer hat sogar noch einmal zurück gerufen um zu fragen, ob alles geklappt hat. Alter Schwede, da ist bei Dir aber noch Luft nach oben!

Oder an Weihnachten in Lulea, Schweden. Der Fjord ist zugefroren und eine Piste zu einer Insel geschoben. Mindestens halb Luleå, oder zumindest der Anteil Bevölkerung, der kurz aus dem Winterschlaf aufgewacht ist, spaziert über das Eis zur Insel. Und wir dann natürlich auch. Was gibt es schöneres, als nach einem kalten Weihnachtsspaziergang auf einer kleinen Insel einen heißen Glühwein oder Kakao, oder Kaffee zu trinken? Eine Hütte gibt es auf der kleinen Insel, vom Lions Club, aber alles zu. Kann man sich das vorstellen? An Weihnachten, alles rennt in ein und dieselbe Richtung und die haben zu!!!! Ein paar Schweden meinten dann zu uns, dass da vielleicht ab 5. Januar wieder offen sei. Ja, haben die Schweden die Einschläge nicht gehört? Komische Menschen. Total seltsam. Ganz anders die Finnen. Die sind da viel geschäftstüchtiger. Aus einer Weihnachtsmanngeschichte machen die ein riesen Gewese! Einen monumentalen Freizeitpark, in dem immer Weihnachten ist! Gar nicht zu fassen. Da kommt sogar die ARD am Heilig Abend hin, um dem Weihnachtsmann ne gute Reise zu wünschen. Ja, geht’s noch? Weihnachtsmanndorf heißt das und liegt vor den Toren Rovaniemis. Hier wird den Gästen die Kohle so gnadenlos aus den Taschen gezogen, dass es nur so seine Art hat. Da stehen die Schweden mit großen Augen davor und sagen „ohhh“.
Egal, ob Sylvester oder Neujahr, die Finnen öffnen die Türen ihrer Restaurants und Hotels und Geschäfte. Sie sind dabei auch sehr freundlich. Und sie sprechen eine sehr lustig klingende Sprache. Ich habe die Finnen irgendwie ins Herz geschlossen.

Badetag

….das ist immer ein ganz besonderer Tag! Wenn wieder heiße Duschen vorhanden sind! Wir schlafen zwischendurch ja immer auch auf Stellplätzen oder einfach Parkplätzen, wo es dann keine Dusche gibt. Muss ja auch nicht sein. Aber wenn es dann nach ein paar Tagen mal wieder so richtig komfortabel wird, ist das schon schön! Also heute alle unter die Dusche und es riecht sich auch gleich viel besser!
Morgen geht es weiter Richtung Helsinki, wo wir dann wohl übermorgen ankommen werden.

oh Mannomann…

da fällt doch unsere Dieselstandheizung aus! Kurt hat’s ja schon beschrieben. Spät abends mussten wir eine Entscheidung treffen, und da gab es ja eigentlich keine Alternativen. Bei -22 Grad wären wir im Auto erfroren. Also blieb uns nur zu fahren, egal wohin, einfach nur fahren und die Fahrzeugheizung anstellen. Zur Not eine Pause bei laufenden Motor machen. Als wir uns gestern Abend um halb zwölf auf den Weg machten, hatten wir eigentlich längst schon unsere Bettschwere erreicht. Normalerweise gehen wir sehr viel früher in die Koje, aber durch die nächtliche Rentierschlittenfahrt gestern Abend verschob sich alles.
Wie Kurt schon geschrieben hat, habe ich mich dann irgendwann ans Steuer gesetzt, laut Ulla Meinecke angestellt, weil ich so gerne und gut mitsingen kann, und bin weiter gefahren. In Höhe Oulu hatte Kurt festgestellt, dass die Standheizung wohl doch funktioniert, und so sind wir dann doch noch nach Raahe, etwas südlich von Oulu, zu dem Campingplatz gefahren, den ich eigentlich und ursprünglich angepeilt hatte. Er liegt direkt an der Ostsee und ich träumte von einem Strandspaziergang. Im Licht! Das sei dazu gesagt. Denn wir sind wieder im Licht! Wir sind wieder da, wo es Sonnenaufgang und -untergang gibt!

Als wir um halb fünf heute Morgen hier ankamen, haben wir erstmal ein paar Stunden geschlafen, dann eingecheckt, gefrühstückt und dann einen Spaziergang am Meer gemacht. Aber: das Meer ist eingefroren. Besser gesagt, der Bottnische Meerbusen. Alles Eis. Na sowas! Aber es tut gut, mal nicht nur Bäume zu sehen. Ganz Skandinavien scheint ja wohl aus Wald zu bestehen. Das ist schön. Das ist wunderbar. Aber es tut so gut, mal wieder den Horizont zu sehen! Was das wohl über mich aussagt….

die Schweden und die Finnen

Die Schweden schließen ihre Läden, Restaurants und Hotels und schlafen.

Die Finnen sehen das Geschäft, öffnen alle Restaurants und Hotels und Läden, treiben sich auf der Straße herum oder fahren auf Motorschlitten durch die Pampa, interessieren sich für fremde Menschen, sind freundlich und sehr lustig.

Aurrrrorrra in Inari

Das war eine anstrengende Fahrt für Kurt. Ja, genau, für Kurt. Während Kurt fährt, sitze ich in meinem befellten Beifahrersitz und träume.


Oder mache Fotos. Oder entscheide noch mal um, wo wir heute übernachten. Suche den Campingplatz oder Stellplatz für die Nacht aus, oder träume, z.B. von Polarlichtern. Aber dazu komme ich in einem extra Artikel.
Also Sylvester in Inari. Inari am großen Inarisee in Finnland ist der nördlichste Punkt unserer Reise und lag ursprünglich nicht auf unserer Reiseroute. Der Verzicht aufs Nordkap hat dann aber einen Abstecher dorthin möglich gemacht.
Von Sirkka mit seinem Skizirkus fuhren wir 180km über Schnee.

Das war herausfordernd. Aber Kurt ist ein sehr guter Fahrer und wir sind vorgestern sicher in Inari angekommen. Zum Abendbrot gab es Dosensuppe. Dosensuppe ist prima, weil sie des nächtens immer für ein paar mehr Grad Temperatur unter dem Deckbett sorgt.
Auf dem Campingplatz hält man es sehr entspannt. Zahlste heute nicht, zahlste morgen, oder gar nicht. Die Rezeption ist im Winter nur sporadisch besetzt, aber dafür hängt eine Infotafel an der Wand, wie man seine Standgebühren bezahlen kann, wenn man es möchte, Strom ist inclusive. Dennoch wurden wir von einer Finnin empfangen, die schon seit Jahren das Winterhalbjahr mit ihrem Mann im Wohnwagen hier verbringt und irgendwie lustig war. So fing sie von der Aurrrorrra (die Finnen rollen das Rrrrr ganz doll😊) an zu schwärmen, die sei einer der wesentlichen Gründe ihres Hierseins. Sie empfahl mir ihre AurrrorraApp „AuroraAlerts“, die sei die Beste. Die lud ich mir dann auch aufs Handy zu den anderen fünf AuroraApps.
Nun war ich wirklich gut versorgt mit AuroraApps, allein der wolkenverhangene Himmel spielte mir nicht in die Karten. Aber am Sylvestermorgen morgens zwischen 5 und 7 Uhr stand die Chancen gut. Also stellte ich meinen Wecker auf fünf, sprang aus dem Bett, alle Klamotten über den Schlafanzug und raus auf den zugefrorenen Inariesee. Hier sollte die Sicht perfekt sein.
Und so stand ich da allein, während die Welt noch schlief (außer die auf Kiribati, die machten wahrscheinlich schon Party) und guckte Löcher in die Luft. Da musste ich an den Typen mit seinem Marihuana denken. Vielleicht hilft das beim finden der Polarlichter? Ich bin zu brav dafür…Nach einer halben Stunde zockelte ich traurig und enttäuscht zurück zu GERDA und die kuschelig weiche Molle, in der Kurt mir freundlicherweise meinen Platz frei hielt.
Später am Tag erzählte ich der Finnen, deren Namen ich mir so gar nicht merken kann, was sowieso okay ist, weil sie, glaube ich, sich in Kurt verliebt hatte, – ich erzählte ihr gar nichts, weil es mir so peinlich war. Aber Kurt fragte sie, ob es denn wohl heute Abend Polarlichter gäbe? Und während wir uns mit vollem Bauch (es gab mal wieder Käsefondue, verlängert mit Racelettkäse) einen lustigen Film über einen Typen anschauten, der im Winter mit einem Merzedesallradwohnobilmonster ans Nordkap gefahren ist, klopfte Kurts neue Ische an unsere Tier: „Aurrrorrra“ hauchte sie nur, und schon stieß Kurt vor lauter Hecktik die Getränke vom Tisch. Eigentlich war ich ja diejenige, der die Polarlichter wichtig waren, aber jetzt erwachte auch in dem Mann das Interesse. Also rinn in die warmen Klamotten und rauf auf das Eis des Sees, das über einen halbe Meter dick sein soll. Man braucht also keine Sorge haben, einzubrechen.
Mit den Polarlichter suchen ist das sonn bisschen wie Pilze suchen. Du musst wissen wann sie kommen, wo Du sie am besten siehst und wie sie aussehen. Ohne die liebe Finnin hätten wir sie wohl nicht gefunden. Aber sie ist eine echte Aurrrorrrra hunterin und tatsächlich sahen wir die ersten Polarlichter unseres Lebens. Sowas macht glücklich.
Sie sagte, der Anblick der Lichter gäben ihr Kraft und ein Gefühl der Stärke. Ich fühlte eher Pudding in den Knien, weil ich die ganze Zeit noch oben guckte und dabei schon mal das Gleichgewicht zu verlieren drohte…während die beiden sich angeregt was erzählten – ich hab da schon gar nicht mehr hingehört. Sie zeigte uns Fotos von tanzenden Polarlichtern, wie man sie schon mal im Fernsehen sieht und konnte zu jedem Foto das Datum und die Uhrzeit sagen – sie kommen dann wohl doch nicht so häufig vor. Ich war glücklich mit dem, was ich sah. Sie wollte dann zu ihrem mürrischen Ehemann zurück, der für ihre Aurrrorraschwäche wohl eher kein Verständnis hat, und so umarmte sie uns ganz überraschend zum Abschied. Wir ließen ihr einige Minuten Vorsprung und machten uns dann auch auf den Weg zu GERDA.
Als wir heute Morgen zeitig vom Platz und an ihrem Wohnwagen vorbei fuhren, winkte sie mit zerzausten Haaren aus ihrem Wohnwagenfenster. Die Finnen – sie sind irgendwie total sympathisch.


The Skandinavien Big Four

Auf Safari in Ostafrika, in Kenia, sind die Big Five das große Ziel. Dazu gehören Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen und Leoparden. Die will man gesehen haben. Hier im Norden Scandinaviens sind es die Big Four: Elch, Rentier, Polarhase und Polarlicht. So habe ich mir das jedenfalls ausgedacht. Elch und Rentier haben wir schon gesehen. Jetzt brauchen wir noch Polarhase und Polarlicht. Letzteren sind wir verflixt dicht auf den Fersen. Morgen früh ab 5 Uhr könnte es soweit sein. Zwar gab es die beiden Abende im Camp in Schweden auch Polarlichter, aber da war die Chance auf welche ziemlich klein. Außerdem zeigen sie sich nachts. Da schlafen wir. Und so haben wir die Polarlichterscheinungen in Schweden verschlafen. Für Morgenfrüh wird ein KP Index von 6 vorausgesagt. Das ist wirklich hoch!

Der Hase, der ist schlau!

Chips, Trips, heiße Würstchen?

Gestern erlitten wir einen Kulturschock! Nachdem wir erst feststellen mussten, das Schweden in den kollektiven Winterschlaf gegangen ist und alle Geschäfte und Restaurants in großen und kleinen Städten, Museen und Souveniershops seid vor Weihnachten geschlossen sind, und wir dann durch Zufall in diesem tollen Camp in der Wildnis gelandet sind, trafen wir gestern bei unserer Ankunft im finnischen Sirkka auf einen amtlichen Skizirkus, wie ihn die Schweden noch nicht erlebt haben!
Hier in Sirkka finden im Skigebiet am Berg Levi auch Weltcup Rennen statt. Hier tobte das Leben aber sowas von! Alle Restaurants offen, nicht nur die Pizza und Kebab Braten. Überhaupt „Pizza und Kebab“! Was für eine Kombi ist das eigentlich? Naja, das Ergebnis einer solchen Kombi durften wir ja am ersten Weihnachtsfeiertag in Lulea kennenlernen….keiner kann irgendwas davon….ach, egal. Gestern in Sirkka aßen wir lecker gegrillten Lachs, bzw. gebratene Auberginenstreifen der sich vegetarisch ernährende Ehemann. Und es war gar nicht mal so billig! Die Portion gegrillten Lachs, die ich entgegen den meisten Restaurantportionen tatsächlich auch mal aufzuessen schaffte, kostete süße 33€! Ja heißa! Wie gut, dass wir im Urlaub sind!

Der Campingplatz in Sirkka war voll, für uns kein Platz mehr. Also fuhren wir zu dem ausgewiesenen Stellplatz, der sich als Parkplatz direkt an der Piste entpuppte. Und als wir da so in unserer gemütlichen Kemenate so vor uns hin Bücher lasen, klopfte es an unserer Tür! Nun, wir sind durchaus auf unsere bunte GERDA angesprochen worden. Mit ihr kommt man leicht ins Gespräch mit anderen Menschen. Das ist durchaus so gewollt. Aber als es gestern an der Tür klopfte, das war etwas ganz Besonderes. Der Anklopfende meinte, durchaus nicht mehr sich ganz klar artikulierend, dass wir so ein schönes buntes Auto hätten. – Ja, mein Freund, es ist bunt. Da hast Du recht. – Und jetzt, so im Unterton von „wolle Rrrose kaufe?“ fragt er: „Braucht Ihr noch Marihuana?“ Uiiii nee, Danke! Wir sind zufrieden. Aber Danke fürs Angebot!

Die Nacht war relativ laut, mit vielen Stimmen draußen, heftigen Wind, der an unserer GERDA ruckelte und zuckelte, Pistenraupen und sonstige lärmenden Fahrzeuge. Dazu die Zeitverschiebung in OEZ, gleich MEZ+1. Alles klar?

Heute ging es dann weiter Richtung Norden nach Inari, am großen Inari See.

Ein Wort zur Polarnacht

Nun bin ich kein Meteorologe und auch keine Meteorologin. Ich habe mich mit der Konstellation Erde, Sonne, Erdachse, das eiern der Erdachse und Polarkreis auseinander gesetzt. Ich habe verstanden, wie es zur Polarnacht und zur Mittsommernacht kommt. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, wie Polarnacht aussieht. Wie das ist. Jemand in Deutschland schwärmte mir von diesem wunderschönen Licht vor, diesem rosafarbenen Himmel. Jetzt weiß ich, was sie damit meinte. Wenn man es geschafft hat, nördlich des Polarkreises zu kommen, geht nicht plötzlich das Licht aus. Von wegen zack dunkel. So läuft das nicht. Die Sonne scheint ja trotzdem noch. Sie schafft es nur nicht mehr über den Horizont, über den Polarkreis. Aber sie beleuchtet den Himmel. So muss man sich das wohl vorstellen. Je weiter man Richtung Norden kommt, desto dunkler wird es dann, aber davon sind wir noch weit entfernt. Hier beginnt morgens gegen halb neun der Tag am Horizont. Ganz vorsichtig und zurückhaltend. Dann bleibt es lange, bestimmt zwei Stunden hell wie an einem schönen Wintermorgen, nur bleibt es so lange so jungfräulich hell, so ein frisches, unverbrauchtes Hell. Und dann wirkt dieses Licht plötzlich verbraucht und es geht allmählich und über Stunden in Dunkelheit über, bis es um allerspätestens 15.00 Uhr stockfinstere Nacht ist. Die Farben, die in dieser Weltengegend an den Himmel gemalt werden und sich immer wieder ändern, dieses Schauspiel der Natur, dass ist mit Worten und Fotos kaum zu beschreiben. Es ist einfach umwerfend schön. Es ist dramatisch, es treibt mir Tränen vor Unfassbarkeit und der Dankbarkeit in die Augen.

Nordkap oder nicht Nordkap,

das war für ein paar Tage die Frage. Natürlich wollten wir ans Nordkap, das war unser erklärtes Ziel. Im Laufe der ersten Tage wurde dann klar, wieviel Kilometer wir am Tag fahren, ohne dass es unangenehm wird. Das waren dann nicht mehr gut 500km wie in den ersten drei Tagen, sondern um die 200 Kilometer. Die Straßen sind geräumt, aber nicht Schnee- und Eisfrei. Mit unseren sehr guten Winterreifen fühlt sich eine Geschwindigkeit jenseits der 70 km/h nicht mehr sicher an. Die Schweden mit ihren speziellen Articreifen lachen da nur müde drüber und rauschen mit 100 km/h an uns vorbei.
Am Nordkap ist es nicht unbedingt kalt, aber andere Wetterkapriolen sind dafür an der Tagesordnung, Wetter wie Sturm und Schnee. Und das Wetter kann dort nicht nur sehr kurzfristig umschlagen, sondern auch zu Strassensperrungen führen. Oder man muss auf das Räumfahrzeug warten, gegebenenfalls Stunden. Das alles sagt uns WetterOnline allerdings nicht. Dafür geht man auf entsprechende Homepages der entsprechenden norwegischen Behörden.
Und so trafen wir hier im Camp ein Paar, das gerade einen erfolglosen Versuch hinter sich hat, ans Nordkap zu kommen. Ins Schwärmen kamen Sie über diesen misslungenen Versuch nicht unbedingt, auch wenn es landschaftlich umwerfend schön war…

Unsere Entscheidung, die wir seid Tagen vor uns her schoben und immer mal wieder vorsichtig diskutierten, war damit gefallen. Wir haben für einen solchen Versuch alle möglichen Kapazitäten. Wir haben genug Strom an Board, die Heizung funktioniert, genug Essen und Trinken ist da. Im Großen und Ganzen sind wir gut vorbereitet. Einzig an Zeit mangelt es uns. Zusammengerechnet müssten wir, wenn’s gar nicht mal so blöd läuft, trotzdem täglich, ohne einen Pausentag fahren, wenn wir pünktlich wieder in Arpke sein wollen, bzw. müssen, weil unser Urlaub irgendwann zu Ende ist und Kurt wieder arbeiten muss. Und das geht einfach nicht. Und das wollen wir beide nicht. Für mich ist klar, dass ich diese Reise auf gar keinen Fall missen möchte. Ich bin froh und dankbar, dass wir das Abenteuer angegangen sind, aber ich weiß auch, dass ich nie wieder hier her kommen werde. Die mediterrane Leichtigkeit Südeuropas, die köstliche Küche dort – das liegt mir mehr! Aber wenn ich schon mal hier im Norden Europas bin, dann möchte ich auch Zeit haben. So wie heute, als wir kurzfristig doch noch eine Hundschlittentour mitmachen konnten. Ungewaschen, vom Frühstück weg. Egal, dann wasche ich mich danach. Egal, dann fahren wir eben morgen weiter! Ist ja auch so schön hier. So soll Urlaub sein.