Ramadan die Zweite

Moslem zu sein ist eine Herausforderung, insbesondere im Ramadan. Das sehen die Leute hier allerdings anders. Für sie ist das natürlich alles normal. Aber nicht für uns:

wir haben jetzt gelernt, dass die letzten 10 Tage des Ramadans besonders intensiv sind, insbesondere was das Beten betrifft. Gefühlt hört man einmal stündlich ein Gebet über die Lautsprecheranlagen der Moscheen. Tagsüber merken wir das schon gar nicht mehr. Aber nachts wird von 1 Uhr bis 4.30 Uhr gebetet. Zum Glück nicht aus allen Moscheen gleichzeitig, sondern immer nur aus einer. Zum Glück auch meistens relativ leise und ruhig. Wach werde ich aber trotzdem. Und wenn dann gerade die Moschee mit den Rückkopplungen in ihrer Lautsprecheranlage dran ist, wird es äußerst unangehem…

Für Nichtmoslems ist es vollkommen unmöglich, dem Ganzen zu entgehen.

aber jetzt kommts….

wir wollen hier alles verkaufen. Haus, Grundstück, Auto, Werkstatt – einfach alles, was hier ist. Wir wollen uns von allen Verpflichtungen trennen.
Und was machen wir? Wir vergrößern das watchman house, damit Patehs Frau und Kinder hier einziehen können….. Ja! Wir bauen an, zwei Räume. Wir sind jetzt viele, sagte Patehs Frau Fanta heute Morgen zu mir, nach dem wir uns vorgestellt hatten und über die Erweiterung des Watchman houses gesprochen haben.

Zwei, drei Abende zurück. Pateh kommt nicht ganz so spät heim wie sonst. Wir sahen uns kaum, höchstens mal am Strand, wo er ja seinen Job als Kellner hat. Also bin ich raus zu ihm, zu einem persönlichen Gespräch. Dabei stellt sich heraus, – ach so viel….seit einem Monat ist Pateh wieder Vater. Seine Frau Fanta lebt mit den gemeinsamen drei Kindern im Ort und bisher klang es immer so, dass sie nicht mit Pateh zusammen leben könne, aus welchen Gründen auch immer. Nun kann sie es anscheinend. Aber da sei ja das Baby, von dem ich bisher nichts wusste. Und das würde nachts schon mal schreien und könnte uns stören. Da habe ich mit Pateh Klartext geredet. Das Baby würde uns gar nicht stören. Im Gegenteil würden wir uns freuen, wenn seine Frau endlich hier her ziehen würde. Wir würden dann natürlich das Watchman House vergrößern müssen, das sei klar. Aber wir würden uns sehr freuen, wenn seine Frau Fanta und die Kinder hier her ziehen würden.
Den nächsten Abend brachte Pateh Fanta und die Kinder mit. Wir hörten das Baby nachts und es klang gut. Heute Morgen dann begrüßte ich Fanta und ich war ganz angetan von ihr. Sie ist eine hübsche, freundliche und sympathische Frau.

Und während wir im Bantaba frühstückten, aßen sie in Patehs Haus. Wie soll ich sagen? Es ist alles ganz normal. Gut, das hatte ich mit Pateh so besprochen, dass es hier auf dem Grundstück klare Grenzen gibt, die von jedem von uns zu beachten sind. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das alles prima hinkriegen.

Ramadan

Ramadan, was für ein Thema! Wir erleben ihn im vollen Ausmaß mit. Wir sind sozusagen mitten hineingerasselt, in den Ramadan.
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf weder gegessen noch getrunken werden. Das gilt für den/die gesunde Moslemin/Moslem, es gibt Ausnahmen.
Aktuell geht um viertel nach sieben morgens die Sonne auf und um viertel nach sieben abends unter. Also zwölf Stunden ohne Essen und Trinken.
Ich habe wohl schon mehrfach den Anfang des Ramadan erlebt, wenn die Menschen am Stöhnen sind und über Kopfweh und Magenprobleme klagen ob der plötzlichen Entsagung von Essen und Trinken. Aber als wir jetzt in Gambia ankamen, war die Hälfte des Ramadan überstanden, die Menschen hatten sich dran gewöhnt und das Leben geht halbwegs seinen gewohnten Gang.

Wahrscheinlich ist am Donnerstag der Ramadan zu Ende. Wahrscheinlich? Ja, wahrscheinlich. Nach einem langen und wie fast immer intensiven Gespräch mit Jawla habe ich jetzt verstanden, warum das Ende des Ramadan nicht immer ganz eindeutig ist. Denn ich hätte immer gesagt, ein Blick in den Kalender mit Sonnen- und Mondaufgeh – und untergehzeiten ist das Thema geritzt. Aber so einfach machen es sich die Moslem nicht. Denn wenn der Neumond in Mekka das erste Mal zu sehen ist, dauert es noch ein paar Stunden, bis er auch im westlicher gelegenen Gambia gesichtet werden kann. Wenn innerhalb dieser Stunden ein Tageswechsel erfolgt, dauert der Ramadan im westlicheren Gambia eben einen Tag länger.
Das alberne Argument, was ist, wenn es bewölkt ist? kann Jawla ganz cool vom Tisch wischen. Er erklärt mir, dass der moslemische Kalender im Schnitt 30 Tage dauert und nach 28 Tagen muss es einen Neumond geben, egal ob bewölkt oder nicht. Durch die oben genannte zeitliche Verschiebung kann es dann auch 29 Tage dauern, aber ganz sicher nie mehr als 30 Tage.
Jetzt sind wir kurz vor dem Ende des Ramadans. Die Zeit, seit dem wir wieder hier in Gambia sind, war schon sehr auffällig, wie leer der Ort ab 19.15 Uhr ist. Alle haben dann nur noch eines im Kopf: nach Hause zum Fastenbrechen.
Am Donnerstag, also in drei Tagen wird der Ramadan wahrscheinlich zu Ende sein und kaum einer kann diesen Tag noch erwarten, alle freuen sich schon darauf. Nicht nur, dass das Leben wieder zurück zur Normalität findet. Es wird gefeiert. Nicht mit Party, Tanz und Gesang, sondern mit lecker Essen, schöner Kleidung, freien Tagen. Durch en Ort bummeln, entspannt sein, Freunde, Verwandte und Nachbarn treffen. Jawla sagte: it’s colourfull. Ich freu mich auch schon drauf. Wir sind zwar nicht wirklich Teil der Community, aber diese Tage werden an uns nicht unbemerkt vorbei gehen.
Ach noch was: während essen, trinken, rauchen im Ramadan nicht erlaubt ist; Küssen ist erlaubt, sagt Jawla. Auch darf man sich seine gegenseitige Zuneigung mitteilen. Darüber hinaus sollte es aber nicht gehen…Aber ihr seid ja keine Moslem, meinte er dann noch augenzwinkernt….

Angekommen

Das die große Lampe am Tor geklaut wurde, hatte Pateh mir ja schon geschrieben. Das ist sehr ärgerlich, aber sie war wohl nicht hoch genug angebracht. Trotz der Notwendigkeit von Spezialwerkzeug um sie abzubauen war sie weg. Tja…..

Morgens nach unserer Ankunft kam Momodou mit seinem Taxi vorbei, denn ich hatte im Herbst vergessen, das Kabel von der Autobatterie ab zu machen, und jetzt war sie vermutlich leer gelaufen und deshalb brauchte ich seine Starthilfe. Er kam, wir öffneten das Auto, die Kühlerhaube – und jetzt durfte Kurt auch mal erleben, wie das so ist – wenn da keine Batterie ist, im Auto, wo eigentlich doch eine sein sollte? Anstatt der Batterie lag da ein großer Haufen Geckokacke, gekrönt von einer toten, halb verwesten Maus.

Jetzt, anderthalb Wochen später, hängt in über 5 Meter Höhe eine neuen Lampe am Tor und die Autobatterie ist längst ersetzt. Wir haben eine gute Zeit!

Rückblick auf den November 2025

Meine Zeit hier in Gambia im November war die erste, in der ich kein Tagebuch geschrieben habe. Liegt das daran, dass wir uns hier mittlerweile so eingelebt haben, dass uns kaum noch etwas überraschen kann? Das glaube ich nicht. Im Gegenteil! 

Gerade während der letzten Aufenthalte hier tauche ich in Bereiche ein, die mir bisher verschlossen blieben. 

Seit dreizehn Jahren bin ich jedes Jahr meistens zwei Mal hier im Land. Und über die Jahre habe ich verschiedenste Menschen kennengelernt. Viele Eintagsfliegen, einige, wie Louis, den builder, über einige Jahre. Wie gerne habe ich mit Louis bei Kaffe aus Deutschland und Ingwerkeksen, die ich hier kaufe und die er so gerne mochte, zusammengesessen, und mit ihm über Gott und die Welt geplaudert?  Es war so schön, mit ihm zu plaudern! Oder Banna, den ich bei meiner allerersten Reise nach Gambia kennenlernte und mit ihm und seiner Familie über viele Jahre befreundet war. Er ist so viel jünger als ich und er war so lustig! Aber mit den Jahren wurde er immer ernster, immer stiller, immer schlecht gelaunter, kritischer? 

Aber Freundschaften müssen nicht zwangsläufig ein Leben lang halten. Sie können auch einfach zu Ende gehen. Das gilt hier wie da, also zu Hause, also in Deutschland. 

Freunde wie Banna und Louis, denen ich mich sehr nahe fühlte, habe ich keine mehr hier. Aber ich kenne einige gute Leute. Dass es sich bei all denen um Männer handelt ist vollkommen zweitrangig und hat wohl eher mit der Kultur zu tun, aber bestimmt auch damit, dass Frauen in meinem Alter oft schlechter gebildet sind, schlechter englisch sprechen oder einfach nicht so in Erscheinung treten, weil sie ans Haus und an die Kinder gebunden sind. Und ich, als Kinderlose, mir fehlt dann oft der Zugang. Ich kann halt nicht so wie eine Mutter tüdelü und tüdela, kann auch keinen schlauen Ratschläge geben. 

Oktober/November 2025

Für zwei Wochen bin ich in Gambia. Wie meistens im Herbst ohne Kurt. Momodou, die treue Seele, holt mich wie immer vom Flughafen ab und bringt mich nach Hause. Da erwartet mich Pateh schon. Schön, wieder hier zu sein! Ich richte mich ein, richte das Bett her, hänge das Mossinetz auf und genehmige mir noch ein, zwei Bier, bevor ich mich schlafen lege. Es ist heiß. Sehr heiß.

Nachts schlafe ich wie immer in der ersten Nacht hier, nicht gut. Höre viele unbekannte, oder eher ungewohnte Geräusche, dann die Muezzine, die ihre Schäflein aus allen Lautsprechern der mittlerweile zahlreicheren Moscheen zum Morgengebet rufen. Frösche die quaken. Nicht weit von hier entwickelt sich in der Regenzeit, die gerade zu Ende geht, ein Sumpf, und abends hört man dann abertausende Frösche quaken. Auch ein paar Ochsenfrösche meine ich zu vernehmen. Also viele eher bekannte Geräusche.

Der erste Morgen

Ziemlich gerädert schäle ich mich aus dem Mossinetz. Die Nacht war von erholsamen Schlaf nun wirklich nicht erfüllt, da treffe ich draußen Pateh. 

Nach dem üblichen Begrüssungsgeplänkel und -ritual fragt er mich, ob ich diese Geräusche heute Nacht gehört hätte? – Ach, Du meinst die Ochsenfrösche, die irgendwo weiter weg gequakt haben? Ja, habe ich. Immer wieder interessant! Aber sie waren ja weiter weg. – Lege ich in einem Wortschwall los. Ochsenfrösche. Natürlich habe ich schon Ochsenfrösche gehört! Klar, sie machten die einzigen ungewöhnlichen Geräusche in der Nacht, aber na klar habe ich die schon mal gehört, hör mal ey, bin nich neu hier!

Und jetzt kommts! Das waren keine Ochsenfrösche, das waren Hexen, die Du gehört hast. Hast Du das gehört? Die eine rief von hier links, die andere antwortete von da hinten! – und ja, schon in der Nacht war ich ein wenig verwundert über die Geräusche der Ochsenfrösche, aber was sollte es für meinen europäischen Verstand sonst sein? Im nun folgenden Gespräch lernte ich, dass Hexen kommen, um jemanden zu holen, also, wenn jemand im Sterben liegt. – Na, Pateh, muss ich mir jetzt Sorgen machen? – Aber Pateh beruhigte mich, sie würden nur kommen um jemanden aus der Familie zu holen.

Pateh, wie sehen diese Hexen aus? Und er beschrieb sie mir und ich hatte sofort ein ganz genaues Bild vor meinen Augen. Irgendwie war und ist mir das auch heute noch komisch. Ein ganz genaues Bild.

Pateh, wie oft hörst du die Hexen bei ihrem nächtlichen Geplänkel? – Gar nicht. – Wie jetzt? Woher weißt Du, dass es Hexen waren? – Das hört man.

Okay, dann mal anders jetzt: Pateh, wann hast Du das letzte Mal Hexen gehört? – Als ich ein Kind war. – Und woher wusstest Du, dass es damals, vor ca. 40 Jahren Hexen waren? – Ich habe gefragt, was das für komische Geräusche waren, die ich gehört hatte. – Und seit dem hast Du nie wieder Hexen gehört? – Nein, erst letzte Nacht wieder. 

Meine Fresse, was ist denn hier jetzt los? Muss ich das glauben, oder kann das raus? Ich entscheide mich dafür, Pateh ernst zu nehmen. Und ich habe dieses Bild von diesen Wesen vor Augen, haarscharf, noch bevor Pateh mir die Gestalt dieser Wesen beschrieben hatte, wusste ich, wie sie aussehen, hatte ich ein Bild vor Augen…

Bauarbeiten und andere Maßnahmen

Gummibaum und Palme

Es vergeht ja kein Urlaub in dem nicht gebaut wird. So ist das Los bei einem eigenen Grundstück. Es fing eigentlich direkt am ersten Tag an. Letzes Jahr hatten wir mit großen Aufwand und mehren Arbeitern, Äxten und Macheten versucht den Gummibaum, der um die Palme sich herumwickelt Herr zu werden. Pate hatte damit seine liebe Mühe, da er sehr viel Blätter abwirft und man jeden Tag fegen muss. Auch fiel hin und wieder mal ein Ast runter, was wirklich sehr störend war. Also haben sieletzes Jahr diesem Baum ordentlich zugesetzt aber als wir hier ankamen, war er schon wieder gut sechs Meter hoch. Ich war der Meinung, dass es reichen würde, wenn man nur alle neuen Schösslinge, sprich alle grünen ZWeige abschlagen würde. Pate meinte aber das würde nicht reichen, man müsse auch noch alle Wurzel zumindes bis zur Palme hin durchtrennen. Das mit den Blättern hatten sie am nächsten Tag innerhalb von einer halben Stunde erledigt.

Auch sollte letztes Jahr noch eine Palme gefällt werden. Pate waren aber die 6000 Dalassis für eine motorsägen unterstützte Baumfällung zu viel. Für das Geld würde er es lieber selber machen. Das war mir auch recht, er sollte dann aber auch noch dem Gummibaum die Wurzelln durchtrennen. Er besprach er sich mit seinem Kumpel und in der Zeit, die wir am Strand waren, haben sie mal schnell die Palme gefällt und in zwei Stücke zerteilt. Dafür wollten sie jetzt schon 6000 Dalassis und für den Gummibaum noch einmal so viel. Es kam zu einem enrgischen Wortgefecht mit Kurt und Pate, wobei ich mich ziemlich verarscht vorkam. Ich entzog mich der Situation und Andrea musste dann die Wogen glätten. Pate und sein Kumpel besprachen sich dann noch einmal und dann kam Pate reumütig wieder an und wir vereinbarten den ursprünglichen Deal. Danach begannen sie mit dem Gummibaum und wurden auch fast fertig. Das ist schon eine Plackerei. Jetzt machen sie „irgendwann“ zu Ende.

Die neuen Torpfosten

Letztes Jahr haben auf Anraten des Maurers zwei neue Torpfosten betoniert bekommen, da das Tor immer auf dem Boden schliff und die Pfosten so gar nicht stabil mehr aussahen. Der Maurer hat dann auch diesen Auftrag bekommen und alles sah sehr vertrauenserweckend aus. Die alten Posten wurden weggekloppt und neue Schalungen angefertigt. Da kommt natürlich auch ordentlich Eisen rein und die Scharniere wurden mit dem Bewehrungsstahl verschweißt. Nach fünf Tagen des Wartens und Trocknens durfte das große Tor wieder geöffnet werden und alles war gut. Das Tor öffnete sich ohne zu Schleifen.

Als wir jetzt das Tor wieder öffneten war der alte Zustand wieder hergestellt und nicht nur das Tor schliff wieder am Boden, sondern der ganze neue Torpfosten wackelte und war nicht mit der Mauer verbunden. Ein Anruf beim Maurer und ein Garantiefall wurde reklamiert. Er kam auch, hat sich das angeschaut und verstanden, warum ich mit seiner Arbeit nicht zufrieden sein konnte. Am nächsten Tag wurde direkt angefangen. In Höhe der Scharniere wurde der Pfosten und die Mauer großzügig ausgestemmt und noch einmal ordentlich Einsen eingelegt, so daß es zu einer zuverlässigen Verbindung zwischen Mauer und Pfosten kommen kann. Sie hatten den ganzen Tag zu tun und machten das ganz sehr ordentlich. Abends wollten sie dann aber doch ein kleines Entgelt, denn für einen ganzen Tag Arbeit, da geht man nicht gerne mit leeren Händen nach Hause.

Am nächsten Tag kamen sie wieder, denn ich hatte noch mehr Arbeit für fleißige Hände. Im unserer Bantaba (=überdachter Frühstücksraum im Freien) fehlten noch einige Putzarbeiten und ich wollte noch einen gemauerten Küchenablage mit einem Loch für ein Waschbecken, welches wir mal in Marokko erstanden hatten. Die Arbeitsmaterialien hatten wir schon amVortag besorgt und so wurde fleißig geschalt und verputzt. Auch das musste dann wieder fünf Tage trocknen, bis die Verschalung runter kam. Jetzt konnten noch die Arbeitsplatte gefliest werden und noch alles sauber verputzt. Sieht jetzt richtig gut aus.

Das Lager bekommt ein neues Dach

Das war auch wirklich notwenig. Ich weiß gar nicht wie lange das schon drauf war, aber das verzinkte Blech war von außerordentlich schlechter Qualität und so war es nach noch nicht einmal 10 Jahren völlig verrottet. Als wir die Baustelle des Maurers besuchten, er arbeitet auch noch an einer Lodge für seinen Bruder, sahen wir dort eine andere Art von Wellblech, von dem sie ganz überzeugt waren. Es ist ein lackiertes Aluwellblech und machen einen ganz guten Eindruck. Es kommt übrigens aus Neuseeland und ist vom Transport her auch nicht ganz CO2 neutral.

Ich habe dann versucht die alte Dachdeckung herunterzunehmen, aber das ging ohne das richtige Werkzeug nicht so gut und so mußte ich mir erst mal ein Nageleisen kaufen. Ich wusste das engliche Wort dafür nicht und sprach immer von der „Maschine“. Sie wussten auch kein richtiges Wort dafür und nannten es „Carnonus“, da das immerhin draufstände, Ja es war aus „Carbon Steel“ gefertigt. Damit ging das dann im Nu und ich konnte die neuen Bleche mit sogenannten „Kap Nails“ auf die Sparren nageln. Das ist aber eine ziemlich mühsame Angelegenheit, da das Sparrenholz sehr hart ist und ich mit dem 200gr. Hammer so meine Mühe hatte. Aber nach drei Tagen Arbeit waren die neun Bleche vernagelt. Jetzt ist es hoffentlich wieder dicht.

Die Bantaba

Heute war ich noch einmal los, da so eine tolle Bantaba natürlich zu dem Waschbecken auch einen Ablauf und eine Wasserzufuhr braucht. Den Abfluss habe ich im lokalen OBI bekommen und das 50er KG Rohr auch, somit war das schnell gemacht. BEi der Wasserversorgung fahre ich für die PE Fittinge im bis zum Turntable, denn dort gibt es die Fittinge aus Italien und nicht aus China. Jetzt hat das Messing Waschbecken auch einen Messingwasserhahn. Morgend wird dann das ganze an die Wasserleitung angeschlossen. Dafür müssen noch gut 12 Meter 3/4 zölliges PE Rohr vergraben werden. Da die Lietung nicht tiefer als 10 Zentimeter im Boden liegt werden ich sie mit ein wenig Beton obern abdecken, damit nicht der nächste Spaten wieder die Leitung verletzt.

Julbrew heisst jetzt Goldfinch

Jetzt bin ich auch mal dran. Andrea schreibt die ganze Zeit über Ramadan oder das water office. Seit wir nach Gambia kommen gab es genau wie auch im Senegal ein lokal gebrautes Bier in Pfandflaschen. Im Senegal das überall gekannt „Gazelle“ oder „flag“. In Gambia gab es das Julbrew mit dem Wappenvogel, dem Kingfisher (=Eisvogel). Das war süffig und bei allen beliebt. Dann kam es vor ca. 5 Jahren zum Streit mit der Regierung, so sagt man, und die komplette Brauerei wurde abgebaut und in den Senegal gebracht. Dort hat man dann das selbe System aufgebaut und das Bier nach Gambia importiert. Es war fast das selbe Label drauf, nur die Länge der Flasche hatte sich geändert. War somit nicht kompatibel mit den alten Flaschen, die man noch in ausreichender Menge zu Hause stehen hatte. Alles Pfand war wertlos georden. Und der Preis vom importierten Bier hatte sich verdoppelt und war somit unverkäuflich. In diese Lücke stießen dann die europäischen Biere mit ihrem Einweg System. Es gab portugiesisches Bier „Cristal“ in der Wegwerfflasche und Bier aus Bremen „Codys“ in Halbliterbüchsen. Daneben auch noch andere Marken aus den Niederlanden oder anderen Provenienzen, die aber unbedeutend waren.

Seit Dezember 2024 hat sich wieder eine gambische Biersorte etabliert und wird auch schon reichlich konsumiert. Sie heisst“Goldfinch“ (Stieglitz) kommt auch in einer aufwendigen Einwegflsche mit eingeprägtem Schriftzug. Mir schmeckt es gut und ist nicht so stark wie das Codys 5,4 zu 4,7 %. Lässt sich also gut am Strand trinken. Nur der Müllgedanke wabert noch im Kopf rum. Bei Jawla in der Rainbow Lodge gibt es jetzt auch schon seit mehr als einem Jahr ein kühles Frisch Gezapftes Bier. Sogar die Gläaser sind geeist und das schmeckt auch herrlich. Dabei kommt es aus Portugal in Fässern nach Guinea Bissau und vonm dort nach Gambia. Aber das sind zumindest Pfandfässer ! Zwar ist hier der CO2 Fussabdruck auch noch enorm, aber zumindest recycled und aus Deutschland muss das Büchsbier ja auch nach Gambia transportiert werden.

Momodou und die Waschmaschinen

von Andrea

Weil ich mir nicht sicher war, ob ich das Water Office in Brikama wiederfinden würde, bat ich Momodou, mich mit seinem Taxi dorthin zu fahren. Ich mag Momodou, dass muss ich wohl nicht mehr erklären. Und so entwickelte sich ein spannendes Gespräch zwischen uns beiden. Es ging ums Wasser, bzw. Wasserverbrauch. „Der ist bei uns nicht so groß.“ sagte ich. Wir brauchen etwas Wasser für den Garten, aber nicht viel, wir bauen ja nichts wirklich an. Dann Kaffee kochen und duschen. Und seit dem ich Queens Laundry entdeckt habe, lass ich dort unsere Wäsche waschen, jedenfalls die großen Teile wie Handtücher, Bettwäsche, Jeans. Ich erzähle Momodou, dass ich die kleineren Sachen natürlich selber wasche, aber dass ich es einfach nicht gewohnt sei, Wäsche mit der Hand zu waschen. Momodou wurde ob meiner Schilderungen immer stiller, aber auch interessierter. Er ist jemand, der sich für anderer Menschen Lebensgewohnheiten interessiert, geradezu in sich aufsaugt. Und so erzähle ich ihm weiter, dass ich mit den Händen eigentlich gar nicht richtig Wäsche waschen kann, weil ich es schlichtweg nicht gewohnt bin. – Nicht gewohnt bist? -fragt er in seiner unnachahmlichen Art. Nein, bei uns hat jeder eine Waschmaschine. – Jeder? – Ja, jeder. Jeder hat bei uns eine Waschmaschine. Ich kenne niemanden, der keine hätte. Und nicht nur das, viele haben auch noch einen Trockner, der die Wäsche dann trocknet. Das ist sinnvoll, weil im Winter die Wäsche oft mehrere Tage braucht, bis sie auf der Leine trocken wird. – Mehrere Tage? Jeder hat eine Waschmaschine? Nee, also das ist hier anders. Waschmaschinen sind teuer. Sie brauchen Strom und Wasser. Ich habe Wasser aus meinem eigenen Brunnen und auch Strom, aber eine Waschmaschine ist für mich nicht denkbar. Das ist zu teuer.

Und dann auf dem Rückweg vom Water Office fragt Momodou: und, wie war’s? Ich sage, sie wollten kein Geld! Ich hätte ja keine Rechnung. Ich solle wieder kommen, wenn ich eine Rechnung hätte. Momodou versteht die Welt nicht. Er sagt: „Fahr da nicht mehr hin. Du fährst da hin, sie lassen Dich warten und dann kannst Du nichts bezahlen. Fahr da nicht noch einmal hin! Das ist Zeitverschwendung!“

Das Sprichwort sagt: „die Afrikaner erfanden die Zeit, die Europäer die Uhr.“

Irgendwann werden Momodou und seine Familie eine Waschmaschine haben.

Unerwartetes Erwachen

von Andrea

Sehr früh morgens wache ich vom Gebet der Muhezin auf. Es gibt hier einige Moscheen in der Umgebung, und Dank Lausprechertechnik gelangen die Gebete bis in unser Schlafzimmer. Das erste Nachtgebet verschlafen wir in der Regel, aber das nächste um fünf Uhr, jetzt um sechs Uhr, oft nicht. Das ist dann, als würde sich ein Schirm aus gesprochenen und gesungenen Gebeten über uns, über den Ort wölben, und man fühlt sich irgendwie gut aufgehoben, schläft dann wieder ein. Ich muss das in der Nacht nicht haben, aber dass ist hier, im muslimischen Gambia nun mal so, und das ist in Ordnung.

Anders sind diese merkwürdigen Veranstaltungen Freitagabends, manchmal auch Samstagabends. Wie gestern. Ich habe immer vermutet, dass es sich um irgendwelche irrlichternder politischer Minderheiten handelt, die unerträglich hasserfüllte Mitteilungen per Lautsprecheranlage auf ausgesprochen aggressive Art und Weise unters Volk bringen wollen. Gemischt mit seltsam klingender Musik und Gesang aus gestörten Kehlen und DJ-Gesabbel. Einfach unerträglich. Mich macht das regelrecht aggressiv.

Gestern Abend sind Kurt und ich noch ein wenig durch die Nachbarschaft spaziert und kamen auch schon bald an der hiesigen katholischen Kirche vorbei. Luftlinie keine fünfhundert Meter von uns entfernt. Da war ein Chor am üben und es klang so heimisch! So wie früher zu Hause auf dem Hof meiner Eltern. Nebenan die Kirche und einmal übte der Chor, einen anderen Tag in der Woche der Posaunenchor. Das ist für mich Dorf, sowas wie Heimat, Zuhause, da gehör ich hin, da komm ich jedenfalls her. Und das Üben des Chors in der katholischen Kirche hier in Sanyang erinnerte mich an früher.

Kurt und ich spazierten weiter durch die Gemeinde und kamen zu Hause, also in unserem Haus in Sanyang an, und machten es uns gemütlich. Für diesen Urlaub hatten wir beschlossen, keine Nachrichten übers Internet zu schauen. Wir hatten genug Belastungen, GERDA, unser heissgeliebtes Wohnmobil war ausgebrannt, im Februar hatten wir beide mit einer Grippe zu kämpfen, dazu ein Besuch einer kleinen Sonde an meinem Herzen, wir wollten einfach Ruhe.

Und dann saßen wir nach unserem Spaziergang bei unserer Literatur, und dieser Chorgesang fing an. Aus der Kirche. Und dann kam irgendwann die Predigt, ein Zwiegespräch zwischen zwei lauten Männerstimmen, aggressiv und einschüchternd, schreiend, schimpfend – beängstigend und klingend, als seien diese Stimmen voller Hass und gegenseitiger Respektlosigkeit. Schrecklich! Einfach fürchterlich! Das alles kam aus der katholischen Kirche. Wäre ich eine Ungläubige, ich würde mich da nicht hin trauen! Aber auch als gläubiger Mensch, der oder die ich bin, macht mir das Geschehen dort eher Angst. Komische Glaubenswelt.

Heute im Water office in Brikama

von Andrea

Das brannte mir schon seit sehr langer Zeit unter den Nägeln. Wasser bezahlen. Wir bekommen ja Wasser aus der öffentlichen Wasserversorgung. Aber seit einiger Zeit, man kann mittlerweile auch von Jahren sprechen, bekommen wir keine Rechnungen mehr. Es kam auch nur die ersten ein, zwei Jahre jemand zum Ablesen der Wasseruhr. Es gab dann monatlich eine Rechnung, und wenn ich hier war, hab ich die geschnappt, bin zum Wateroffice nach Brikama und hab sie bezahlt.

Als gewissenhafte und anständige Bürgerin bin ich heute also mit meiner letzten Rechnung aus 2021 nach Brikama ins Water Office. Bis ich im richtigen Büro landete, hatte man mich ein paar mal hin und hergeschickt. Und so landete ich in diesem Büro, das recht klein war. Durch die Glastür konnte ich sehen, dass dort drinnen zwei Schreibtische standen. Einer direkt gegenüber der Tür und dann davon links noch einer. An dem waren der Schreibtischmann und ein Kunde in schier unendliche Diskussionen vertieft. Am Schreibtisch gegenüber der Glastür saß ein mächtiger Mann, der mir beschied, dass sein Kollege für mich zuständig sei, nachdem ich ihm meine Rechnung gezeigt hatte.

Aber um in das Büro überhaupt hineinzukommen, musste ich die Glastür einen Spalt öffnen, mich durch diesen Spalt hindurch nach rechts durchschieben (mit angehaltener Luft), noch mal tief durchatmen, Tür jetzt schließen und drin war ich. Es dauerte dann einige Zeit, bis die Diskussion am anderen Schreibtisch beendet war und ich an die Reihe kam.

Und während ich da stand und wartete, stand der Mächtige auf und verließ das Büro plötzlich. Dafür polterten zwei Typen herein. Der eine mit einem merkwürdigen Gerät, dass sich als Geldzählmaschine entpuppen sollte, der andere mit einem viertel Kubikmeter Geldscheinen. Dann kam noch einer, der Banderolen für die gezählten Geldscheine und einen Stempel dabei hatte, mit dem er die gezählten Geldbündel mit Datum und dem Hinweis auf Richtigkeit abstempelte. Und dann ging es los, die Geldzählmaschine ratterte, der Banderolenstempelmann stempelte und Haufen (nicht Häufchen) von Geldbündeln türmten sich auf dem Schreibtisch des Dicken. Der wiederum, der Dicke, also der mächtige Schreibtischmann, hatte sich auf den Tresor gesetzt, der, wenn man durch die Glastür ins Büro kam, gleich rechts stand. Der konnte da gut sitzen. Der hatte nicht viel zu tun.

Irgendwann war ich mit meinem Anliegen fertig und der Dicke, der noch immer auf dem Tresor saß, öffnete mir die Tür. Soweit, dass sie an seinen der Tür gegenüber stehenden Schreibtisch anschlug. So konnte ich da nicht rauskommen. Das erkannte der Dicke dann auch schnell und es entstand ein rechtes Gewurschtel zwischen ihm auf dem Tresor sitzend, der Tür, dem Schreibtisch und mir, bis ich das Büro verlassen konnte. Die Geldzählmaschine ratterte derweil immer weiter…

Und die Wasserrechnung? So richtig verstehe die Kollegen dort wahrscheinlich nicht, aber ich habe den Eindruck, wir sind aus dem System geflogen. Das ist dort alles ganz modern mit Computer und so. Das ist alles ok. Möglich ist es vielleicht auch, dass unser Wasserverbrauch so gering ist, dass es nicht lohnt, das jemand vorbei kommt, den Zähler abließt und dann eine Rechnung schickt. Jedenfalls wurde mir mittlerweile zum dritten Mal mitgeteilt, dass ich erst zahlen kann, wenn ich eine Rechnung habe. Tja Mensch, dann eben näch!