Von wegen hier passiert nichts…

Na, da war ich wohl doch ein wenig zu enthusiastisch…vonwegen, alles läuft rund. Auf dem Weg zum Haus kommt man an eine Wegekreuzung. Der querende Weg ist in der Regenzeit eine Ablaufrinne. Und die wurde in der letzten Regenzeit ordentlich ausgespült und eine breite, tiefe Rinne ist entstanden. Bisher habe ich es geschafft, durch langsames und behutsames Fahren diese Rinne zu queren. Nicht so heute Nachmittag, als ich vom Strand zurück kam. Da bin ich leider aufgesetzt. Eigentlich gar nicht so schlimm, aber trotzdem hat es gereicht. Anscheinend ist der Schlauch für die Bremsflüssigkeit geborsten, jedenfalls ging die Bremse kaum noch, als ich vorm Hoftor anhalten wollte. Die Bremse lässt sich vollkommen und ohne nennenswerten Widerstand komplett durchtreten. Zu Hause auf dem Hof sah ich dann auch, wie es fleißig tropfte…so ein Mist. Wahrscheinlich ist der Bremsschlauch hin. Aber zum Glück gibt es Mamadou! Er kommt nachher noch, um sich die Sache anzuschauen. Und dann werden wir morgen das Auto wohl nach Brikama in die Werkstatt bringen. Es sollte keine große Sache sein, den Schlauch auszutauschen, aber „alles läuft rund“ geht dann doch etwas anders…

Mittlerweile war Mamdou hier und hat sich das Auto angesehen. Klar, die Bremse. Vorne und hinten rechts ist eine Pfütze unterm Auto. Wohl die Bremsflüssigkeit. – Ich komme morgenfrüh um acht und fahr das Auto nach Brikama in die Werkstatt.- Ich hab mich nicht getraut Widerworte zu äußern. Acht Uhr ist eigentlich deutlich vor meiner Urlaubsaufstehenszeit…aber ich füge mich natürlich! Vielleicht kann ich dann morgen Nachmittag doch noch zum Strand fahren… – Du willst mit diesem Auto noch fahren??? Die Bremsen gehen doch gar nicht!? – KeinProblem! Hier in Afrika fahren wir manchmal wochenlang ohne Bremse.- Naja, beruhigend finde ich das jetzt auch nicht gerade, aber Mamadou gehört mein Vertrauen und wirklich großer Respekt. Und Dankbarkeit. Mann, wie gut, das es ihn gibt! Hier ist man doch einfach sehr auf gute Leute und ein freundliches Miteinander angewiesen. Aber Mamadou ist auch wirklich ein guter Typ!

Das Haus, Nebengebäude, Avocado, Baobab, Palmen und Co.

Das Haus. Etwas unscheinbar und klein der Baobab, den wir im April vors Haus gepflanzt haben.
Das ist der kleine Baobab Purzel
Der Avocadobaum, gepflanzt im November 2020?
Einer der Avocados, die wir im April 2021 gepflanzt haben
Eine der Palmen des Wanderers
Bananenstaude mit Blüte und Fruchtansatz
Das soll in Zukunft unsere Frühstücksecke und Außenküche sein. Beim Dach sind wir uns noch nicht ganz einig, aber es könnte eine Zeltbahn aus Mauretanien sein.
Unsere jetzige Frühstückecke unterm schattigen Mangobaum
Blick vom Frühstücktisch aufs Haus. Links am Haus der Wasch-und Spülplatz.
Blick vom Frühstücksplatz zum gelben Hoftor. Links das Aussenclo für den watchman
Das Haus vom watchman
Der Store. Hier sieht es leider etwas rumpelig aus. Das muss sich noch ändern…
Um diese Ölpalme wuchs eine Feigenart. Diese Feige wächst an und um den Palmenstamm herum und kann mächtig groß werden. Diese aber ist ziemlich hin. Eigentlich wollte ich sie schon entfernen lassen, aber das hat ein heftiger Sturm in der Regenzeit erledigt. Der Stamm der Feige ist allerdings auf den Zaun gefallen. Der ist an dieser Stelle jetzt hin.
Das ist die andere Feige, die sich ebenfalls um eine Ölpalme wickelt. Sie ist wirklich gewaltig und dem watchman ein Dorn im Auge, weil sie ständig Blätter abwirft, die der watchman dann zusammenharken muss.
Im Hintergrund das ganze satte Grün der benachbarten Mangobäume
Nochmal die gesunde Feige, Haus vom watchman und unsere Photovoltaikanlage

Abenteuerfilm 2. Teil

Schwups, die zwei Kanister in mein Auto, die geliebte Vanette, gekippt und schon war alles vorbei. Außer:

Wären wir nicht mit Freunden unterwegs gewesen, wäre das ganze Spektakel kaum zu ertragen gewesen. Aber so hatten wir uns, und irgendwie hat uns das ganze auch Spass gemacht. Jedenfalls hätte einer alleine das Ganze nicht so gut ausgehalten.

Fazit: Freunde sind sooooo wichtig!

Des Dramas zweiter Akt

Wir kommen nach Brikama. Die Stadt, die außerhalb Amerikas Never sleeps….Aber selbsts in Brikama herrscht eine relative Nachtruhe. Normalerweise. Heute wurden die Präsidentschaftskandidaten nominiert. Anfang Dezember sind hier Wahlen. Wir rasselten auf übelstem Geläuf (die Straßen sind in dieser umtriebigen Stadt in einem extrem schlechten Zustand. Das liegt daran, so Demba, weil die Brikamaer in der Opositon zum Präsidenten sind. Deshalb werden ihre Belange ignoriert) in eine Demo vollkommen durchgeknalllter junger Leute. Als Entwicklungshelfer hatten wir damals gelernt, uns aus solchen Geschichten heraus zu halten. Aber wir hatten in diesem Moment gar keine Wahl. Also wurde die arme Vanette gehauen und geschlagen! Und ich war heil froh, als wir da durch waren. Demba schnauzte derweil die jungen Leute durch das offene Fenster an. Natürlich in ihrer Sprache. Ich verstand mal wieder kein Wort…

Kaum hatten wir die Demo passiert, es war immerhin mittlerweile gegen elf Uhr abends, stand der Verkehr vollkommen still. Auf der Fahrspur standen drei Autos und Buschtaxis, und wir wunderten uns, ob die denn alle vollkommen bekloppt sind? Denn die entgegenkommende Spur war auch mit Autos aus unserer Richtung kommen blockiert. Ich muss sagen, mir wurde die Situation doch ganz schön unheimlich…aber dann ging es weiter, vorbei an den links stehenden Fahrzeugen. Und dann passierten wir eine Tanke, und da wurde uns klar, was los war: dort gab es Diesel!!! Hunderte Meter Straße und natürlich die ganze Tanke waren blockiert von Taxis und Buschtaxis die nur ein Ziel hatten: Diesel kriegen!

An der Tankstelle vorbei fahrend machte Demba mich auf das Gebrüll auf der Tanke aufmerksam. Auch hier herrschte Anarchismus!

Des Dramas erster Akt

So saßen wir also in der Vanette, Demba und ich, und warteten. Mittlerweile schon dreieinhalb Stunden. Da kam ein Anruf von Mamadou: es ist voll hier, aber mein Auto ist getankt. Jetzt müssen wir nur noch darauf warten, dass auch unsere 10 Kanister an die Reihe kommen. Aber das dauert noch ein bisschen.

Dembas Handy scheint einen unendlich große Speicher zu habe. Er schaute sich meinen Facebookauftritt an, der aber nicht wirklich viel hergibt. Ich zeigte ihm Fotos von meinen kleinen Demba zu Hause. Das fand er lustig…

Dann Mamadou: hier geht es ganz schön zur Sache. Ein paar Leute streiten sich, es sieht nicht gut aus. Man würde die Polizei rufen.

Die Polizei ist jetzt da und regelt alles. Es wird noch etwas dauern…

Mamadou: es wird noch etwas dauern. Alles läuft wieder

Mamadou: wir wissen nicht, ob wir noch Diesel bekommen. Fahrt ihr schon mal nach Sanyang zurück, wir kommen dann nach. Ich habe hier gehört, dass in Sanyang eine Tanke Diesel verkauft. Checkt das mal!

Demba und ich fahren zurück nach Sanyang. Wir müssen durch Brikama.

Das Lustspiel

Die beiden Motorradfahrer machten sich mit einem unglaublichen Bündel Geld über die Grenze nach Senegal. Meine drei Taxifahrer und ich setzten uns in den Schatten eines Baumes auf eine Bank.

Meine drei Taxifahrer. Mamadou vorn, Demba hinten.

Sie sagten mir, wir müssten nun zwei Stunden warten. Mamadou grinste. Er ahnte wohl, dass das für mich als Europäerin ungewöhnlich sei. Das war es. Wenn wir zwei Stunden warten müssen, gehen wir Kaffee trinken, shoppen, oder fahren erstmal wieder nach Hause. Nicht so hier.

Um 17 Uhr rief der Muhezin zum Gebet und die drei entschwanden für ein paar Minuten des Gebetes. Dann kamen sie wieder, quatschten in ihrer Sprache noch mal die ganze Verhandlung durch und hatten jede Menge Spass! Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen.

Ich beobachte derweil Ziegen, Hunde und Hähne. Und die Menschen. An so einem Grenzübergang gibt es ja immer sehr viel zu beobachten…es wurde nicht langweilig.

Meine rote Vanette im Hintergrund und ein Pickup mit jede Menge lehrer Kanister im Vordergrund

Aber dann, nach anderthalb Stunden, wurden die drei Taxifahrer unruhig und fragten entgegen kommenden Taxifahrer, wie es denn drüben auf der Tankstelle so aussehe. Die Informationen waren wohl so geartet, dass Mamadou und sein Kumpel beschlossen, mit ihrem Taxi die Grenze nun doch zu überqueren und die Tankstelle aufzusuchen. Nach einiger Zeit kam die Rückmeldung: ganz schön voll hier. Aber gut organisiert. Die Autos werden an der einen Zapfsäule abgefertigt, die Kanister an der anderen. Alles ginge gesittet und ordentlich zu, Namen würden aufgerufen…Mann müsse aber noch etwas warten.

Gegen 19 Uhr brach die Dunkelheit herein und Demba meinte zu mir, wir sollten uns mal auf die andere Straßenseite setzen, es würde dunkel. Die Logik erschloss sich mir erst, als wir auf der anderen Straßenseite saßen, und Lampen angingen. Irgendwann wurde es aber ungemütlich auf der Bank, weil die eigentlich die Wartebank für Buschtaxis war. Deshalb beschlossen wir, uns in mein Auto zu setzen.

Der Abenteuerfilm

Gemeinsam fuhren wir an die Senegalesische Grenze. Dort erfuhren wir, dass es problematisch sei, mit den Autos zum Tanken zu fahren. Es wäre günstiger, einen Motorradfahrer tanken fahren zu lassen. Wir hatten insgesamt 10 mal 20 Liter Kanister dabei. Also brauchten wir zwei Motorradfahrer. Nun wurde erstmal eine Dreiviertel Stunde verhandelt. Zunächst mal der Preis überhaupt, dann der Wechselkurs von Gambischen Dalasi in Senegalesische Franc CFA und dann der Preis pro Kanister. Gestern war ich in Senegal und habe 465 Wechselkurs bezahlt, und heute willst Du 470 haben? Halsabschneider! So, oder so ähnlich lautete Dembas Reaktion. Da das ganze aber in ihrer Sprache stattfand, habe ich einfach nur brav zugehört und den Mund gehalten. Ich war nur Fahrerin. Schließlich rechnete man mir für die 40 Liter Diesel für mich einen Preis von 2.920 Dalasi aus. Keinen Cent mehr! Ich bekam brav auf den letzten Dalasi das Wechselgeld zurück. Naja, und dann noch 200 Dalasi pro Kanister. Waren für mich also noch mal 400 Dalasi. Da war nichts zu machen. Der Preis stand.

Kein Diesel in Gambia

Hätte mich jemand anderes als Mamadou, dem Taxifahrer meines Vertrauens vom Flughafen nach Hause gebracht und mir erzählt, dass es in Gambia keinen Diesel gibt, hätte ich mir einfach meinen Teil gedacht. Aber von Mamadou gesagt, hatte es eine andere Schwere. Der ganze öffentliche Verkehr in Gambia funktioniert mit Taxis und Buschtaxis. Aller fahren mit Diesel. Wenn es keinen Diesel mehr gibt, bricht die gesamte Wirtschaft zusammen.

Der Diesel kommt aus Nigeria. Warum es keinen Nachschub gibt, konnte mir kein ernst zu nehmender Mensch erklären. Keiner hatte eine Antwort darauf.

Aber Mamadou sagte, er würde jetzt in der Casamence, also im Süd-Senegal, tanken fahren. Das sei nur eine Stunde von hier. Ja, dachte ich, eine Stunde hin, eine zurück. Aber wie auch immer, ich bat Mamadou mich mit zu nehmen, wenn er wieder nach Senegal zum tanken fährt, denn ich brauchte auch Diesel. Der Tank von der Vanette war nur noch viertelvoll. Er sagte, er würde mich anrufen.

Gestern Vormittag rief er mich dann an. Um 15 Uhr ginge es los, er würde mich abholen.

Und nun folgt ein Drama in mehreren Akten. D.h. eigentlich fing es eher wie ein Abenteuerfilm an. Mamadou kam mit seinem Kumpel in seinem Taxi vorgefahren. Wie immer pünktlich wie die Feuerwehr. Ich folgte ihm mit der Vanette. Unterwegs nahmen wir noch einen weiteren Kumpel auf, Demba, der bei mir im Auto mitfuhr.

Der erste Tag

Gestern Morgen hatte ich ein langes Gespräch mit Louis, unserem watchman. Wir haben alles bekakelt, was passiert ist, wo die Problemchen liegen und dass er einen Nachfolger für sich gefunden hat, ein junger Mann aus seiner Adventistengemeinde. Alles läuft. Ohne besondere Ereignisse…was gibt es da wohl noch besonderes zu erzählen? Es überkam mich der Gedanke, dass es langweilig werden könnte, hier in Gambia. Dabei habe ich doch immer so viel Freude daran, von den Absurditäten, die dieses Projekt „Ich habe ein Haus in Gambia“ mit sich bringt, zu berichten. – Da wusste ich aber noch nicht, was der Tag noch bringen sollte….