Zulassungsstelle

Letzten Sonntag haben wir Moses getroffen. Ein alter Bekannter von Andrea. Er scheint sich in letzter Zeit sehr zum Besseren gewandelt zu haben, trinkt fastnichts Mehrung kifft nur noch wenig. Er bot sich an, uns bei der Zulassung des Motorrades zu helfen, das dauere vielleicht eineinhalb es Tag, nicht länger. Montag um 10 Uhr solle losgehen. Pünktlich stand er an der „Garage“, dem lokalen Taxistand hier im Ort. Ich hatte einen zweiten Helm mitgebracht und schon brummten wir los nach Brikama der 12 km entfernten Distriktstadt. Dort zur Vesicherung und die war schnell gemacht. Ein kurzes Abschätzen des Motorrades und schon war der Tarif 465 Dalassis festgemacht (ca. 9 Euro Jahesprämie). Die Roadtax (Strassenbenutzungssteuer) ist standardmäßig 300 Dalassis. Für den Antrag braucht man allerdings eine Steuernummer ( TIN=Taxi Identifikation Number), die von Moses hätte gereicht, aber er hat seine kürzlich verloren, also wollten wir Andrea‘ s nachreichen. Die Telefonnumer von Moses hatte allerdings gereicht. Jetzt wollte man nur noch das Nummernschild. Da ic h noch deutsche Nummern hatte musste ich erst einmal ein Nummernschild besorgen, also zum Customs (Zoll).

Dort habe ich dann auch meiner persönlich TIN bekommen, war gar kein Problem und kostet nur 300 Dalassis. Da ich aber gar keine Papiere von dem Motorrad hatte, waren wohl in Deutschland geblieben und vor allem keine Importpapiere, musste ich noch einmal zur Grenze fahren. Das ist auch nich weit, ca. 25 km. Es ging auch relativ flott. Man bräuchte nur die Fahrgestellnummer. Der Beamte kam mit raus und schrieb die Nummer mit auf die Quittung. Nach Zahlung von 3500 Dalassis war das Motorrad verzollt. Jetzt zurück zur Polizei. Die fand die Nummer, die der Zoll auf die Quittung geschriebenhat, aber nirgends am Motorrad wieder. Anscheinend konnte der Beamte vom Zoll nicht Lesen oder Schreiben, oder beides nicht. Wir mussten noch einmal zurück und ein neuer Zettel musste geschrieben werden. Ich war dementsprechend geladen. Zeitweise begutachteten bis zu vier Beamte die Fahrgestellnummer. Am Lenkkopf war sie auch schlecht zu lesen, aber am Typenschild einwandfrei. Ich beharrte darauf erst wegzufahren, wenn mir die Nummer auf der Quittung gefallen würde und es brauchte noch einmal zwei Anläufe, bis sie einiger Maßen stimmte. damit wieder zurück zur Polizei. Jetzt waren sie zufrieden und entschuldigten sich noch einmal für die Unannehmlichkeiten. Beim Zoll in Brikama bekamen wir nach Zahlung einer kleinen Gebühr die Nummer zugewiesen. Diese würde noch einmal von der Polizei abgesegnet, nach einer kleinen Gebühr, und schon konnten wir wieder zur Versicherung. Die bekamen wir auch tatsächlich ausgehändigt mit dem richtigen Kennzeichen. Nur die Roadtax könnte man uns nicht mitgeben, da der Mitarbeiter gerade nicht da war. Da müssen wir demnächst noch einmal wiederkommen. Bis das richtige Nummernschild geprägt ist und wir es bekommen dauert es noch eine Woche. Moses wird dann angerufen und kann es abholen. Bis dahinfahren wir mit dieser Nummer, von Andrea liebevoll auf die Rückseite des Original gepinselt, herum.

Aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer, heißt mein heutiger Eintrag. Als wir am Donnerstag nach unserer Ankunft in Gambia vom Hotel, wo wir unsere erste Nacht verbracht hatten, in unser Haus umgezogen waren, gab es erstmal viel zu tun. Das Grundstück war voller trockenen Grases und musste dringend aufgeräumt werden, denn Schlangen lieben so ein wüstes Grundstück. Auch im Haus war einiges an Geckokacke wegzuräumen und zu putzen. Außerdem wütete in einem unsere schönen neuen Bambusbetten der Holzbock, also Bett erstmal raus in den Hof.

Es hätte alles so schön sein können, aber die Wasserleitung in der Erde war kaputt. Kurt hatte den Haupthahn an der Grundstücksgrenze geöffnet, da sprudelte es aus der Erde. Mustafa der Klempner kam zwei Stunden später, um die Leitung zu verbinden. Für mich sah es nach einem sauberen Schnitt durch die Leitung aus, aber wer sollte sowas tun?

Nun hatten wir jedenfalls wieder Wasser, und ich konnte mich an wischen der Wohnung begeben.

Die Solaranlage, die Anfang April mit dem Schiff gekommen war, wurde installiert und der Kühlschrank angeschlossen. Die ebenfalls verschiffte Autobatterie lieferte Strom, der Kühlschrank summte leise vor sich hin.

Der Hauptwasserhahn ist Leck! Nicht nur das, die Leitung fliegt aus ihm raus! Kurt bekam das irgendwie wieder zusammen, und so konnten wir endlich duschen und Essengehen. Als wir zurück kamen, hörte ich beim Betreten des Hofes das Rauschen. Die Wasserleitung war komplett aus dem Wasserhahn geflogen….bis abends um 10 waren wir am basteln und ein Provisorium zu erstellen, bis die Leitung dicht hielt.

Nun war schön Druck auf der Leitung. Dieser schöne Druck machte sich im Bad als schöner Duschstrahl bemerkbar. Klasse! Geht doch!

Nächster Morgen. Leider haben die ganzen Fittings im Bad dem tollen Druck nicht ganz Stand gehalten, bzw. die Anschlüsse ans Waschbecken waren nicht dicht, oder fest genug angezogen. Überall war Wasser auf dem Boden.

Der Wasserhahn drehte sich gleich mit, wenn man ihn aufdrehen wollte. Kurt hat dann erstmal alles auseinander geschraubt, um es dann vernünftig wieder zusammen zu schrauben. Der Wasserhahn war fest, die Anschlüsse leckten nicht mehr.

Einen Morgen später war wieder alles nass im Bad. Die Leitung zum Spülkasten leckte. Außerdem lief der Spülkasten über. Kurt hat auch das in Ordnung gebracht.

Zwischenzeitlich war Mustafa da, und hat den Haupthahn an der Grundstücksgrenze abgebaut und die Hauptwasserleitung dicht verbunden. Jetzt leckt hier nichts mehr. Unsere Nerven waren aber doch ganz schön auf die Probe gestellt worden.

Am Montagabend holten wir Amrick, Kurts Neffen, vom Flugplatz ab.

Eine oder zwei Nächte später schrillte der Stromwandler Alarm. Die Batterie war leer. Kein Strom für den Kühlschrank. Wir suchen einen besseren Standort für die Solarelemente, einen, wo mehr Sonne hinkommt. Aber es gibt Tage, an denen es bewölkt ist, und dann geht auch die Leistung der Solarzellen stark nach unten. Die vergangenen paar Tage war der Kühlschrank morgens aus. Das ist frustrierend, das hatten wir ganz anders erwartet.

Wir sind technisch wirklich gut ausgerüstet, und haben auch eine kleine Solarstation zum Aufladen von handys gekauft. Sie ist aber anscheinend nicht in der Lage, eine kleine Powerbank aufzuladen.

Alles in allem ist die Technik nicht befriedigend. Da wir hier keine Stromleitungen in der Straße haben, an die wir uns einfach anschließen lassen könnten, sind wir auf die Solartechnik angewiesen…..

Bei all den kleinen Problemchen, die wir in den Griff bekommen wollen, ist es schwierig, sich adäquat um unseren Gast Amrik zu kümmern. Er ist das erste Mal in Afrika und da fehlt es ihm natürlich an Erfahrung und dem nötigen Selbstbewusstsein. Vielleicht war es zu ambitioniert, ihn schon einzuladen, ohne das Haus vorher ausführlich getestet zu haben. Denn all diese kleinen Problemchen sind natürlich lösbar. Es benötigt aber Zeit, und mitunter Nervenstärke. Und an der mangelt es mir im Moment ein wenig. Ich hatte mich auf einen schönen, entspannten Urlaub in unserem eigenen Haus gefreut, aber bisher ist von Entspannung nicht viel zu spüren gewesen.

Gerade hat es mich richtig ausgetrickst. Der Schreiner ist heute gekommen, um die Fliegengitterfenster zu bauen. Weil er ins Haus muss, in dem sich ja nun einiges befindet, hüte ich das Haus, während Kurt und Amrik heute Mittag schon einen Freund besuchten, zu dem ich normalerweise mitgefahren wäre. Kaum waren die beiden weg, machte sich der Schreiner und seine Söhne auf in die Moschee zum Freitagsgebet und ich war allein.

Nachdem Kurt und Amrik zurück waren und Flüssigkeit aufgenommen und pausiert hatten, fuhren sie an den Strand, weil wir da heute verabredet sind. Ich warte auf den Schreiner, dass er nach dem Gebet wieder kommt. Kaum waren die beiden zum Strand gefahren, kam einer der Schreinersöhne um mir zu sagen, dass sie heute wohl nicht mehr kommen. Irgendwie ist der Wurm drin. Ich glaube, morgen müssen die Männer hier bleiben, und ich geh allein an den Strand!

Ankunft in Gambia 20.11.2018

20.Nov. 2018

Es ist einfach herrlich. Man steigt ins Taxi und die Welt ist eine andere.

Aber erstmal landen wir, passieren die Passkontrolle und alle unsere Koffer sind da! Bei den letzten zwei Reisen war jeweils ein Gepäckstück in Brüssel geblieben und das ist dann jedes Mal mit einigen Umständen verbunden gewesen. Aber diesmal ging alles gut.

Am Flughafen noch Geld gewechselt und Africel-SIM-Karte gekauft, während Kurt ein günstiges Taxiangebot bekommt. Es war dann nur die halbe Wahrheit und das Taxi kostete dann soviel, wie es halt kostet. Es gibt da ausnahmsweise fixe Preise.

Das Taxi war eine der übleren Klapperkisten von Auto und nur der Taxifahrer wusste, wie man die Türen öffnet. Jede Tür hatte ihren eigenen Kniff. Und dann klapperten wir los, Richtung Sanyang Beach zum Hotel.

Nach einer kurzen Fahrstrecke bat der Taxifahrer, eine sehr höflicher Mensch, diese wunderbare Reise für einen kleinen Tankstopp unterbrechen zu dürfen. Aber das wäre sicher ja auch in unserem Interesse. Danach würden wir dann „this wonderful journey“ sofort fortsetzen. Ich hätte mir fast ins Knie gebissen. Und dann hieß uns der Taxifahrer willkommen an der smiling coast of Africa. Hier smilt jeder und ja, auch der neue Präsident. „We have also a smiling President“. Ich komme aus dem smilen auch nicht mehr raus.

Später haben wir dann jemanden anderes über den neuen Präsidenten sagen hören, dass er o.k. sei, allerdings leider sein „Brain on a very low Level“ sei.

Die erste Nacht verbrachten wir bei Jawla in seinem Hotel und alle Angestellten waren da, die einen abends, die anderen trafen wir am nächsten Morgen. Und von jedem Einzelnen wurden wir mal wieder auf allerherzlichste Empfangen, als erstes von Jawla selbst. Es ist ein bisschen so, wie nach langer Zeit nach Hause zu kommen. Und dass wir nun in unserem eigenen Haus würden wohnen wollen fanden alle ganz klasse.

Donnerstag nach dem Frühstück am Strand sind wir dann mit dem ganzen Gepäck mit dem Taxi zum Haus gefahren. Das Grundstück sah gewöhnungsbedürftig aus. Es gab viel zu tun. Auch im Haus hatten Tiere ihre Hinterlassenschaften gelassen. Abends um 17.00 Uhr war die Hütte von innen so weit hergestellt, dass man sich drin wohlfühlen konnte.

Die erste Nacht in unserem neuen Haus war sehr ungewohnt. Hier ist alles grün um uns, viele Bäume, Acker, viele Vögel und nachts Zikaden und wer weiß, was alles für Getier. Jedenfalls alles andere als still. Wir haben sehr schlecht geschlafen.

Freitag, den 22. November, haben wir dann einiges organisiert und fürs Frühstück eingekauft. Es sollte Omelette mit Tomaten, Zwiebeln,…geben. Das Brot, das hier Tapalapa heißt, und die Eier waren schnell gekauft, Tomaten fanden wir keine mehr. Zu spät.

Zurück am Haus fing Kurt als Omelettespezialist an, alles Gemüse anzubraten bis er mich bat, schon mal die Eier aufzuschlagen und zu verquirlen. Das erste Ei ließ sich sehr schwer aufschlagen und ich dachte: jawohl, dass sind mal gesunde Eier mit einer ordentlich festen Schale. Aber dann, ja was war das? Die Eier waren alle schon gekocht! Ach Mann, wir waren wirklich hungrig und nun das! Nun wir haben die Eier kurzerhand kleingeschnitten und mit in die Pfanne gehauen. Lecker geht anders, aber wenigstens hatten wir was im Bauch…

Heute ist Sonnabend und Louis hat uns jemanden gebracht, der das Grundstück aufräumen soll. Nun ist Kurt mit dem jungen Mann dabei, das Grundstück von Grund auf umzukrempeln. Dabei geht es ohne viele Worte zu. Eigentlich hört man nichts von den beiden. Mag daran liegen, dass der junge Mann nur portugiesisch spricht. Er kommt wohl aus Guinea, wo auch Louis herkommt. Von dort flüchten auch Menschen. Nach Gambia. In Guinea scheint das Leben härter zu sein, als hier.

Der junge Mann aus Guinea hat das ganze trockene Gras zu Haufen zusammengerecht. Ja, er brachte als Arbeitsutensil eine Machete und einen Rechen. Dann habe ich mit dem Makita Fuchsschwanz den dicken Bambus geschnitten. Für die Mauer hatten sie durch den Bambusstock eine Furche gezogen und das Fundament gegossen. Jetzt wächst der Bambus aber änder Innenseite des Zaunes weiter und wird früher oder später die Mauer wider umwerfen. An der Mauer hat Louis schon angefangen den verbleibenden Bambus auszugraben, was aber ziemlich anstrengend ist. Am Zaun haben also beschlossen den ca 4 qm großen Bambusstock wegzukokeln. Bin mal gespannt, ob das klappt.

Die Solaranlage haben wir hinter dem Haus installiert, das heißt die vier Panele auf einen Bamusstock abgestützt und verkabelt. Die Kabel würden durch zwei Löcher in der Metalltüre geführt und die Technik steht im Esszimmer. Dann wurde auch der Kühlschrank in Betrieb genommen und alles funktioniert prima, so dass wir immer kaltes Bier und Wasser haben.

Das Motorrad hatte wieder vorne und hinten einen Platten, also bin ich zum „OBI“ gelaufen und habe für 4 Euro eine China-Luftpumpe gekauft, die sowohl Fahrräder als auch Autoventile aufpumpen kann. Ich habe von der Pumpe ja nicht viel gehalten, aber sie hat funktioniert. Jetzt kann ich morgens schnell in die Stadt fahren, um frisches Tapalapa zu holen und ich weiss mittlerweile auch, wo es frische Omeletteier gibt.

Heute ist Sonntag und wir sind an den Strand gefahren. Ich hatte am Bambus noch einmal zwei Akkus leergesägt, um sie im Hotel wieder zu laden. Andrea hat ihre Leidenschaft gefunden, und zwar Hoffegen. Aber nicht in der afrikanischen Variante mit Bücken, sondern mit einem schönen chinesischen Plastikbesen mit Stiel.

Morgen fahre ich mit Moses nach Brikama, wo wir versuchen das Motorrad zu versichert, zu verzollen und anzumelden. Andrea will die Haussteuer bezahlen und den Wasseranschluss anmelden. Mal schauen, wie weit wir kommen. Heute aber erst einmal relaxen?

Endlich Urlaub

Zwar mussten wir schon um 4:30 Uhr aufstehen, aber dann ging alles wie am Schnürchen. Die letzten Sachen eingepackt und wir waren eine Stunde vor Abflug am Flughafen. Auf der Autobahn zum Flughafen wurden wir noch von der Polizei gestoppt, die mit 60km/h zwischen der linken und mittleren Spur mit Blaulicht und Warnblinker die komplette Autobahn einbremste. Dann kam der Verkehr zum Erliegen und eine Polizistin stieg aus und ging zum ersten Wagen auf der Überholspur. Dort lag eine Lkw Karkasse, die sie sich schnappte und über die Autobahn schliff, um sie beim Standstreifen über die Leitplanke warf. Dann ging es im gestreckten Galopp zum Flughafen.

Die Avocado lebt noch und fühlt sich ganz wohl im Handgepäck

In Brüssel können wir zum ersten Mal nach der Abocado sehen. Noch geht es ihr gut ? 

Ostersonntag bis Ostermontag

Sonnabend, 31. März

Banna und seine Kinder haben die Ehre gehabt, als erste in unserm Haus zu schlafen. Nachdem sie im Dorf gefrühstückt haben, kommen sie zu uns an den Strand. Ich hatte bereits ein paar Liegen für uns bereitgehalten. Die Kinder wollten erstmal ein wenig die Gegend erkunden und so machten wir alle zusammen erstmal einen Spaziergang. Dann wechselten die Mädchen in ihre Badekleidung, Markus lieh Banna seine Zweitbadehose, und dann stürzten wir uns in die Fluten. Allerdings sehr vorsichtig, denn Familie Kongira kann nicht schwimmen.

Nachdem Abendessen fuhren Banna und die Kinder mit dem Taxi zum Haus. Es war für uns alle ein total schöner Tag.

Sonntagmorgen sind Markus und ich dann mit dem Motorrad zum Haus, d.h. am hiesigen Obi hat Markus mich abgesetzt, weil ich nur Wellblech und Nägel für das Gäasthaus/watchman house kaufen muss. Ich begleite dann zu Fuß den Eselkarren mit den Einkäufen zum Haus.

Banna und die Kinder verabschieden sich, wollen erst im Dorf noch frühstücken und dann mit dem Buschtaxi zurück nach Georgetown. In afrikanischer Manier haben sie das ganze Grundstück gefegt und geharkt! Es sah mal wieder sehr ordentlich aus!

Banna hat sich gern bereit erklärt, meine mit dem verspäteten Containerschiff geschickten Sachen aus dem Hafen zu holen. Ich hab ihm alle Telefonnummern gegeben, alle informiert, dass nicht ich, sondern Banna die Sachen holen und ins Haus bringen wird, habe Banna Geld für den Transport gegeben, Hausschlüssel – es sollte eigentlich alles klappen!

Sonst klappt ja auch alles wie am Schnürchen. Heute Morgen, Ostermontag, wollte ich bei der Bank meines Vertrauens, der Reliance Bank, mein Bankkonto plündern. Allerdings ist heute Ostermontag und damit offizieller Feiertag! Die Bank geschlossen! Wir wollten gerade ein Taxi nehmen, da hielt Moses neben mir und bot mir an, uns nach Brikama zu fahren. Moses ist ein Rastamann, ca. Anfang 40, trommelt bei den Trommlern drüben im Djungle mit und hat ein Auto! Ich weiß nicht, woher er die Kohle hat, aber eines ist mal sicher: so einen coolen Fahrer hatte ich noch nie. Da ich ja nun eine von Ihnen sei (Moses und ich kennen uns schon länger und ich mag ihn, weil er einer der Wenigen ist, der mich nicht vollquatscht), hat er mir auch einen sehr anständigen Einheimischenpreis gemacht. So fahren wir mit cooler Raggeamusik nach Brikama und Moses, der seinen Arm locker aus dem Fenster hängen lässt. Brikama, Geld tauschen und zurück zum Haus.

Das Dach vom Gästehaus ist fast fertig, der Zimmermann wird ausgezahlt.

Der Schweißer hat Fenstergitter und Tür geliefert und wird ausgezahlt.

Mustafa ist im Bad dabei, Dusche, Clo und Waschbecken anzubauen und wird ausgezahlt.

Gamez I hat seine Malerarbeiten nicht ganz beenden können und bekommt einen Teil ausgezahlt.

Louis Sanyang nimmt Maß für den Einbau von Fenster und Tür, während seine Jungs fleißig dabei sind, das Haus von innen und außen zu verputzen. Ich bitte ihn, das Bad nicht zu verputzen, ich möchte die Wand unverputzt streichen lassen. Er guckt mich einigermaßen verwirrt und hilflos an. Vielleicht hat er mich ja nicht richtig verstanden? Deshalb erkläre ich ihm, dass wir Deutschen es schön finden, wenn die Struktur der Steine noch zu sehen ist. Da gibt er auf, das sieht er ein, andere Länder, andere Sitten, diese Weißen…..mag er sich gedacht haben. Auch er bekommt einen Abschlag ausgezahlt. So sind für heut mal wieder alle glücklich und zufrieden.

Und ich erst! Sanyang hätten auch mit dem Gästehaus schon hervorragende Vorarbeit geleistet. Aber jetzt ist es fast fertig! Den Schlüssel hab ich schon von Louis Sanyang bekommen.

Und natürlich das Wohnhaus! Es gibt zwar hier und da noch Kleinigkeiten zu tun, aber wir können im November einziehen.

 

 

Furchteinfössende Gesellen

 

Es war die Zeit der Jungenbeschneidungen, die jetzt überall zu Ende geht. Abseits der Städte werden die Jungs im Alter von 6 – 12 Jahren in den Busch gebracht, wo sie rund drei Monate bleiben. Dort werden sie beschnitten und lernen alles Mögliche über das soziale Miteinander, auch zwischen Männern und Frauen, Körperhygiene und, wie ich zumindest stark vermute, werden sie dort auch aufgeklärt. Wenn die Wunden verheilt sind und alle gesund, kommen sie aus dem Busch zurück und werden von ihren Familien und der Dorfgemeinschaft mit Feiern empfangen.

Zu diesen Feiern gehören auch Umzüge mit den Jungs und ihren Geschwistern und Müttern, die alle ganz stolz auf ihre Brüder und Zöglinge sind

Diese Umzüge werden von finsteren Gesellen in wilden Kostümen und schlimm geschminkten Gesichtern angeführt, in ihren Händen tragen sie Machten, die sie laut knallend aufeinander schlagen. Die kleineren Kinder rennen schreiend vor ihnen weg, während sie von den Alten lautstark beschimpft und verscheucht werden.

In einen solchen Umzug bin ich heute Morgen geraten, als ich den Eselskarren mit dem Wellblech zum Haus begleitete. Diese wilden Ungeheuer sind mir bekannt und ich hatte mein Vergnügen an ihrem Gebahren. Das gefiel ihnen wohl nicht und zwei von ihnen standen plötzlich vor mir und versperrten mir den Weg und knallten Ihre Macheten aufeinander. Da verging mir doch das Lachen! Aber jemand rief sie zur raison und so konnte ich meinen Weg fortsetzen.

Eigentlich wollen sie etwas Kleingeld für die Feier, aber ich hatte ganz einfach nichts dabei. So ließen Sie mich ziehen. Glück gehabt.

Das Beschneiden von Mädchen ist in Gambia von staatswegen verboten und es wird auch dafür geworben, davon Abstand zu nehmen. Gambia wird überwiegend von Menschen vom Stamm der Mandinka bewohnt, die Beschneidungen von jeher nicht unbedingt befürworten. Aber die Wolofs, die hier leben und überwiegend im Senegal beheimatet sind, umgehen das Gesetz gern. Leider.

Gründonnerstag, 29. März

Donnerstag, 29. März

Heute nehme ich mir einen freien Tag. Das Wetter spielt mit, die Sonne scheint, aber ein sehr frischer Wind kommt vom Meer her. 

Ich nehme das erste Mal in diesem Urlaub mein mitgebrachtes Buch in die Hand und lese bis zum Abend durch. 

 

Kathleen und Dave aus Brighton sind auch wieder hier. Mit Ihnen nehme ich einen gepflegten Sundowner ein.

 

Markus macht einen Ausflug…

…und es wird abenteuerlich.

„Fahr doch mal nach Georgetown (Janjanbureh)“ sagt Andrea zu mir. Andrea und Kurt haben einen Freund (Banna) in Georgetown und ich besuche ihn.

Der Tag beginnt recht früh. Ich werde um 08:30 Uhr von Papis, dem Taxifahrer, vom Hotel abgeholt und nach Brikama gefahren. Während der Fahrt treffen wir auf ein paar Schulkinder, die wir kurzerhand mitnehmen und schon sitzen wir zu siebt im Auto.

Von Brikama fährt der Bus nach Georgetown. Ich habe mich für den „Superexpress“ entschieden, der ist sogar klimatisiert und hält, nicht wie die „normalen“ Busse an jeder Palme.
Das Ticket habe ich schon am Tag vorher im „Busbüro“ gekauft. Das verlief auch besonders. Man nahm meine Geldscheine schrieb auf einen Zettel meinen Namen und heftete alles zusammen. Das war dann die Garantie für einen Sitzplatz. Jetzt heißt es warten. Der erste Bus kommt und ich frage einen freundlichen Mitarbeiter, ob das der Bus nach Georgetown ist? Ich ernte einen ungläubigen Blick. „Nein deiner ist blau, der hier ist doch grün!“ Okay, wieder was gelernt. Dann kommt, übrigens sehr pünktlich, mein Bus. Jetzt beginnt ein Schauspiel. Es wollen deutlich mehr Leute einsteigen, als Sitzplätze vorhanden sind und das Dach des Busses wird mit allerlei Hausrat beladen. Ich bekomme tatsächlich eine Sitzplatz und die Fahrt beginnt.
Nach ca. zwei Stunden dann der erste Halt in Soma. Ich habe etwas Hunger und kaufe mir an der Straße ein Weißbrot, das mit gebratenem Huhn, Soße und Zwiebel gefüllt wird. Es schmeckt, aber man sollte vorsichtig essen, denn es sind auch jede Menge Knochen dabei. Wieder im Bus biete ich meiner Sitznachbarin, sie spricht kein Wort englisch, ein paar Erdnüsse an – sie freut sich sehr. Dann bietet sie mir etwas von ihrem Essen an – ich kann nur leider nicht erkennen, was das ist. Todesmutig greife ich zu – es ist gut gewürztes, aber zähes Rindfleisch – Glück gehabt.
Ich treffe Banna, nach weiteren drei Stunden, an der Haltestelle und wir gehen zu seiner „Lodge“ direkt am Fluss. Georgetown liegt auf einer Insel im Gambiariver. Hier ist alles einfach, aber gut.
Wir mache noch eine Fährfahrt auf die andere Flussseite und erleben einen traumhaften Sonnenuntergang.

Am Nächsten Morgen geht es zuerst nach Wassu (Weltkulturerbe). Hier sind Steinkreise aus der Zeit um 600 vor Christus zu sehen. Die Erklärungen kommen vom „Stone-Man“, einem sehr beeindruckenden älteren Gambia.

Jetzt geht weiter an den Fluss auf ein Boot.

Das Rohr an der Bordwand ist übrigens der Abfluss für alles.

Auf der vierstündigen Fahrt sehe ich Hippos,

Schimpansen (die frei auf einigen Flussinseln leben). Sie wurden Ende der 1970er Jahre dort ausgewildert und vermehren sich.

Zurück in Georgetown, machen wir noch einen kleinen Rundgang durch die ehemalige Sklavenhändlerstadt. Hier begann übrigens auch die Geschichte von „Kunta Kinte“ aus der Serie „Roots“.

Die alten Kolonialbauten verbreiten einen morbiden Charme


Dann gehts noch kurz in eine Berufsschule. Hier bieten einige Niederländische Studenten gerade einen Metallworkshop an.


Das ist die Schulglocke

Wir sitzen dann noch am Wasser und genießen die Natur.

Am nächste Morgen dann die Rückfahrt nach Sanyang. Wir verpassen den „Expressbus“ und müssen ein „Buschtaxi“ nehmen. Das ist mal eine ganz andere Art des Reisens. Es ist heiß (42 Grad) und in dem Sprinter drängen sich 30 anstatt der erlaubten 15 Personen. Aber es herrscht eine gute Stimmung, jedenfalls solange bis ein Reifen platzt und der Fahrer geistesgewärtig handelt und die Fuhre am rechten Fahrbahnrand zum Stehen bekommt – Glück gehabt!

15 Minuten später kommt ein befreundeter Fahrer und bringt ein „neues“ Rad.
Der Rest der Fahrt ist unproblematisch und wir landen gesund und munter und mit vielen neuen Eindrücken in Sanyang und begrüßen Andrea. Das waren tolle Tage.

Karfreitag in Gambia

Karfreitag, den 30. März

Heute Nacht habe ich mal richtig gut geschlafen! Nach dem Frühstück geht es mit dem Taxi zum Haus, denn ich hab noch die große Tasche mit Dingen fürs Haus drin….

Und dann wird gewischt, gewischt, gewischt. Allmählich lässt sich erahnen, dass die Fliesen durchaus einen gewissen Glanz haben. Aber ich glaube, da muss erstmal ein akkurater Fussboden-Glanz-Reiniger von Johnson her……

Gerade hat Banna angerufen, sie seien jetzt kurz vor Brikama. Eigentlich hatte ich frühestens morgen mit Ihnen gerechnet.

Kurz darauf kam eine SMS von Markus: Reifenpanne! Es kann noch dauern….

Ich Versuch derweil im Haus für etwas Atmosphäre zu sorgen und Versuch mal, ein paar Vorher-Nachher-Bilder zu machen.

Und dann sind sie auch schon da. Bewundern das schöne Haus, das bis auf einen Stapel Zementsäcke jetzt auch wie eine Wohnung aussieht. Banna bekommt eine kurze Einweisung. Zum Glück kennt er einfache Verhältnisse und ist nicht weiter entsetzt, dass er auf das Aussenclo gehen muss und auch die Dusche noch nicht installiert ist. Aber das ist für ihn alles kein Problem, draußen ist ein Wasserhahn und eine leere Plastikflasche. Damit kann man sich auch „duschen“.

Dann fahren wir alle mit dem Taxi zum Strand. Markus braucht dringend eine Dusche, weil die Reise doch etwas beschwerlich war, ich eine Dusche, weil ich mich regelrecht heiß gewischt habe. Und die beiden Töchter von Banna haben Hunger. Und sie haben noch nie das Meer gesehen und sind schon ganz aufgeregt.

Auf dem Weg zum Strand fallen Hullei, der älteren Tochter die großen Gemüsegärten am Weg auf. Etwas, was sie von Georgetown kennt.

Später nach dem Essen sind wir dann alle zusammen die rund 3 km nach Sanyang zu Fuß gegangen. Da gab es gut was zu lachen. Ein Junge auf einem Fahrrad kam uns entgegen, und Hullei sagte zu ihrem Vater: also ich bin ja schon sehr schwarz, aber der Junge ist noch schwärzer!

Wenn man hier morgens/vormittags Leuten über den Weg läuft, begrüßt man sich mit „good Morning“ und dann kommt immer die Frage „Howe is the Morning?“ Mich hat das immer schon irritiert. Sehe ich noch so verschlafen oder verfaltet aus, sitzen die Haare nicht? – Bis ich vor ein paar Tagen gelernt habe, dass das eine ganz normale Grußformel ist, die man von den einheimischen Sprachen ins Englische übernommen hat. Jetzt komme ich den Leuten immer zuvor und ich frage : how is the morning? Das kommt gut an!!!

Gestern war Karfreitag und am späten Nachmittag ging Jawla, der Hotelbesitzer im Standrestaurant rum, und jeder bekam eine Art Getränk aus Reis, Bananenbrei, Cocusnuss, ….in ein Becherchen gereicht. Ich habe gelernt, dass man dieses Getränk hier an Feiertagen reicht. Es war sehr lecker. Als ich Jawla daran erinnerte, dass Karfreitag doch ein christlicher Feiertag sei meinte er, dass man da keine Unterschiede machen wolle. Wir hätten doch alle den einen Gott, egal ob Christen oder Moslem! – Man möchte sich so viel Toleranz bei uns wünschen. Aber vor ein paar Tagen las ich in der HAZ eine Karikatur mit Seehofer in der er sagt: Frauen gehören nicht nach Deutschland….in Anspielung natürlich auf den Islam-Satz und in Anspielung, dass er keine Frauen in Führungspositionen in seinem Kabinett hat.

Heut morgen traf ich Brikamer, der gestern seinen freien Tag hatte. Als ich ihn fragte, wie sein freier Tag gestern war, da war er ganz glücklich. Es wurde Karfreitag gefeiert, jeder bekam dieses spezielle Getränk bekommen und man hätte gar nicht unterscheiden können, wer Christ und wer Moslem ist. Das wäre so schön gewesen! Das hat mich ungemein berührt.

Vor ein paar Tagen sprach mit jemanden längere Zeit über das Verhältnis zwischen Christen und Moslem hier im Land. Der war glücklich, das sich in den letzten Jahren so viel zum Besseren geändert hat. Er sagte sowas wie: vor 15 Jahren hätten wir nicht miteinander gesprochen. Vor 10 Jahren hätten wir nicht zusammen gesessen. Vor 5 Jahren hätten wir nicht aus der selben Schüssel gegessen. Und heute gibt es gemischte Ehen!