Water office

Ich war mal wieder beim Water Office in Brikama, um nachzufragen, was denn nun mit meinem Wasserzähler ist, den ich im Dezember beantragt hatte. Damals war ich dorthin Mamadou, meinem Lieblingstaxifahrer. Er ist mein Lieblingstaxifahrer, weil er nicht so viel quasselt, freundlich ist und einen für Weiße sehr korrekten Preis nimmt. Er ist aber auch schüchtern und zurückhaltend. Diese zwei Eigenschaften sind vielleicht nicht so geeignet, wenn man hier etwas erreichen will. Denn irgendwie sind da immer irgendwelche Helfershelfer, die meinen, alles zu wissen, und Dich zutexten, bis Du am Ende zu allem ja und Amen sagst, wenn Du es nicht besser weißt. Und Mamadou wusste es wohl auch nicht besser. Ich mache ihm da wirklich keinen Vorwurf.

Dieses Mal war ich mit Banna da, der sich mittlerweile als gestandener Geschäftsmann präsentiert, wenn’s drauf ankommt, und dann ist es ein ganz anderes Reden. Außerdem kennt er sich mit diesen Dingen ganz gut aus, und lässt sich nicht so leicht hinters Licht führen. 

Montag war ich mit Banna dort, heute, Mittwoch, soll der Zähler installiert werden. Gestern wurde zwischen dem Mann vom Water Office und Banna noch mal telefoniert, dann hab ich mit dem Kollegen einen Termin ausgemacht. Bin gespannt….

Im Water Office gibt es tatsächlich ein Intranet! Und es funktioniert. Dort ließ sich nicht nur ablesen, welche Zählernummer der Zähler hatte, den es hier auf dem Grundstück einst gab. Dort steht auch der Name des Viertels, in dem wir hier wohnen, nämlich Toubaboukunda. Bislang glaubte ich immer, ich wohne in Jolakunda. Jola ist der Name einer Volksgruppe hier, und kunda steht für (Wohn)viertel. Toubabou ist aber das Synonym für uns Weissnasen! Aber ganz abwegig ist das ja auch nicht, unser Viertel so zu nennen, denn die vier Wohngrundstücke hier gehören ja Toubabous. Ich fand’s trotzdem sehr lustig, als mir der Kollege im Water Office stolz auf dem Bildschirm zum Beweis zeigte, wo mein Haus wohnt….

Einkaufen mit Sinoreh

Sinoreh braucht eine Blechkiste, um seine Kleider und andere Habseligkeiten vor dem Staub zu schützen. Also sind wir heute Morgen nach dem Frühstück mit seiner Nichte und Neffen ins Dorf shoppen gegangen. Der Weg zog sich, denn Sinoreh hat eine umfangreiche Verwandschandtschaft hier im Dorf. Jedem und jeder wurde ich vorgestellt. Ich war wirklich zutiefst gerührt! Bei der einen Schwester kann ich mir Zöpfe flechten lassen, bei der anderen Eier kaufen, und bei dem einen Bruder saßen wir im Schatten, nur der Höflichkeit wegen, denn gerade, als ich dachte, wann wir wohl weiter können, brachten wir auch schon wieder auf.
Wir kauften Gläser aus Glas für mich, zwei Teller, und dann die Blechkiste für S., so wie einen großen Eimer und einen Schöpfbecher für S.Er braucht das für den anstehenden Ramadan. Nun ja.
Heute Nachmittag ist S. dann nach Brikama gefahren, um mir auf meinen Wunsch einen Spiegel zu kaufen. Und er kam mit einem wirklich schön großen Spiegel zurück! Jetzt kann ich endlich sehen, wie ich eigentlich aussehe! S. findet das auch total wichtig, das man sich als Frau im Spiegel betrachten kann…S. ist wirklich ein lieber Kerl!

Klimawandel in Gambia

Gestern Morgen und den ganzen Tag über war der Himmel mit grauen Wolken verhängen. Jedem erzählte ich, das ein derartiger wolkenverhangener Himmel bei uns in Deutschland bedeutet, das es regnen wird. Die Antwort von aber auch jedem war ein mitleidiges Lächeln und die Worte:“Tubab (Weiße), die Regenzeit beginnt im Juni.“
Nach den Spaghettis mit Sinoreh zog ich mich ins Haus zurück, und hörte ein paar Tropfen aufs Blechdach. Und dann fing es richtig an zu regnen! Und es gewitterte sogar! In meinem kuscheligen Bett fühlte ich mich sehr geborgen! Aber trotzdem: ist das normal?
Nein! Heute traf ich die selben Leute, und alle sagten: zu dieser Jahreszeit Regen? Und sogar Gewitter? Das gab es hier noch nie!

Das Haus 2

Innen im Haus war alles soweit ok. Aber alles war deutlich eingestaubt. Kein schöner Anblick! Das sah auch Sinoreh so, und sofort nahm er einen Besen und fegte die Bude aus. Ich wischte derweil den Staub von den Möbeln. Zum Glück hatte ich vor unserer Abreise im Dezember alle Sitzkissen und Matratzen hochkant gestellt, so dass die nicht so zugestaubt waren. Dann durchwischen. Danach sah es noch nicht toll aus, aber zumindest war der Staub gebunden.
Nachmittags bin ich dann mit Mamadou, meinem Lieblingstaxifahrer zum turntable gefahren, um Geld zu wechseln, SIM-Karte auffüllen und im Supermarkt „Best House“ ein paar Sachen einzukaufen.
Danach habe ich für Sinoreh und mich lecker Spaghetti mit Tomatensauce gekocht.

Das Haus

Um mich vor bösen Überraschungen zu bewahren, ging ich mal vom Schlimmsten aus wie, kein Wasser, Dach eingestürzt….
Aber als ich Freitag Morgen zum Haus kam, kam ich erstmal gar nicht aufs Grundstück, obwohl von dort laute Musik zu hören war und das Hoftor offensichtlich von innen verriegelt war, reagierte Sinoreh, unser watchman auf kein Rufen und kein Klopfen.
Schließlich kletterte der Taxifahrer über die Mauer und öffnete mir von innen das Tor. Sinorehs Haustür war offen und ich rief ihn von draußen, aber nichts tat sich. Dann wagte ich einen scheuen Blick in seine Kemenate, und da lag er im tiefen Schlaf und hörte meinen Ruf nicht. Ich ahnte Schlimmes und hämmerte mit der Faust noch einmal gegen die Blechtür, und da fiehl er vor Schreck fast aus dem Bett! Da wäre ich vor Lachen fast tot umgefallen! Er lebt, er ist gesund, alles bestens!
Das Grundstück sieht fantastisch aus! Alles ordentlich, sauber und geharkt. Sinoreh hat noch ein paar Bananen und Papayas gepflanzt, und an der hinteren Grundstücksseite hat er eine Reihe Bourgainvilien gepflanzt, eine meiner Lieblingsblumen, was er wusste.

Anreise

Dafür, dass Kurt mich am Mittwoch Morgen um halb 5 zum Flughafen gebracht hat, und ich am Donnerstag Abend um halb 12 (23.30 Uhr) im Hotel ankam, war meine Anreise ziemlich lang.
Als ich mich am Donnerstag Morgen im Flughafen in Brüssel informieren wollte, wo ich Einchecken kann, reichte der freundlichen Dame ein Blick auf meine zwei großen Koffer, und sie fragte:“Afrika?“ Das ist wohl der einzige Kontinent, in den man mit doppeltem Gepäck reisen darf.
Als wenn das alles noch nicht genug wäre, kam ich nicht umhin, und musste mir in Banjul zu so später Stunde vom Zoll auch noch meinen Kofferinhalt begutachten zu lassen. Zum Glück fiel mir rechtzeitig ein, dass der scheissteure Wasserfilter im Koffer doch nur 20€ wert sei…Dafür hatte der Schalter von Western Union im Flughafen, wo ich immer Geld wechsele geschlossen. Zum Glück reichten meine Dalasi gerade aus, um das Taxi zum Hotel zu bezahlen.

Gelbe Welle in Brüssel

Auf Lufthansakosten bin ich gestern mit dem Taxi nach Brüssel ins Novotel gefahren, habe dort gegessen und geschlafen, und heute Morgen kam wieder ein Taxi, um mich zum Flughafen zurück zu bringen. Das Hotel liegt im unteren Zentrum von Brüssel. Im oberen Zentrum von Brüssel befindet sich Europa.

In Brüssel scheinen die Ampeln aus Prinzip auf Rot zu stehen. Erst wenn sich der wartende Automob davor kaum noch im Zaun halten lässt, gehen die Ampeln auf gelb und grün. Heute Morgen hatten wir, bzw. der Taxifahrer Glück. Er geriet in die gelbe Welle. Das ging ab wie geschmiert! Bis son looser sich nicht zwischen rechts, links, geradeaus und rückwärts entscheiden mochte….und schon waren wir aus dem Schwung. 

Es war anscheinend nicht einfach für Lufthansa, ein bezahlbares Hotel zu finden, weil hier andauernd irgendwelche internationale Meetings sind, und die Gäste brauchen alle ein Zimmer. Jedenfalls in der Woche. (Am Wochenende sieht das hier anders aus. Kurt und ich waren mal über mein Geburtstagswochenende hier, einen Freund besuchen.) Und da merkt man dann, dass hier Europa ist. Paris ist ja schon bunt. Natürlich auch New York. Aber hier in Brüssel habe ich in den paar Stunden so viele verschiedene Sprachen gehört, wie noch nie, glaube ich. Das ist schon ein buntes Publikum hier. Und Theresa May. 

Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben.

Der Flug von 6.50 Uhr von Hannover direkt nach Brüssel war gestrichen worden. Dafür ging es nun um 6.15 Uhr von Hannover über Frankfurt nach Brüssel. In Frankfurt wurde aber klar, dass aufgrund eine Lotsenstreiks in Brüssel der Flieger in Frankfurt er so spät starten kann, dass der Anschlussflug von Brüssel nach Banjul nahezu unmöglich zu kriegen war.

Und so kam es dann auch. Der Flieger nach Banjul war bei meiner Ankunft in Brüssel zwar noch nicht gestartet, aber Boarding war nicht mehr möglich. Schließlich hat mir die Fluggesellschaft ein Zimmer im Novotel in Brüssel gebucht, damit ich morgen von hier weiter fliegen kann. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Wenn man selber von so einem Streik betroffen ist, ist das ganz schön doof.

Abflug

Jetzt ist sie wieder weg. Andrea ist heute morgen um 6:15 Uhr von Hannover nach Frankfurt, um dann weiter über Brüssel und Dakar nach Banjul zu fliegen. Eigentlich sollte sie erst um 6:50 Uhr direkt nach Brüssel fliegen, aber beim Online Check-in hat man ihr eröffnet, dass dieser Flug gestrichen worden ist und man sie jetzt umbuchen muss. Hätte ja auch mal der Flugvermittler Bescheid sagen können.

Die Koffer wurden noch einmal hin- und hergepackt, bis beide ihr Idealgewicht von 23kg hatten. Das wurde so auch von der Fluggesellschaft akzeptiert und so sind alle eingepackten Dinge auf ihrem Weg nach Sanyang, in der Hoffnung, dass sie die häufigen Umstiege auch verkrafften und gemeinsam in Banjul ankommen.

Schlangen sind Fluchttiere


Wenn Schlangen irgendetwas Positives an sich haben, dann, dass sie Fluchttiere sind. Nur wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlen, oder man versehentlich auf sie tritt, wehren sie sich.

Unser neuer watchman Senoreh hatte uns ja gleich am Abend seines ersten Arbeitstages eine Schlange kredenzt, die er abends erschlagen hatte. Das war Freitag. Gestern, Montag, kamen wir nach zweitägiger Abwesenheit aus Georgetown zurück. Und weil Senoreh weiß, dass tote Schlangen uns eindeutig lieber sind als lebende, zumindest wenn es um solche Exemplare auf unserem Grundstück geht, konnte er es gar nicht erwarten, mir seine neueste Trophäe vorzuführen. Dieses Mal aber etwas aufgeregter als am Freitag. Denn nach seiner festen Überzeugung handelte es sich um eine Kobra. Das Belegexemplar lag nicht weit vom Zaun entfernt in der prallen Sonne und roch schon etwas streng. Ich habe das Reptil, wie schon das erste am Freitag, fotografiert, um es mit Bildern aus dem Internet abzugleichen. Jedenfalls war Senoreh abends am kochen, als er im Dunkel des Abends in seinem Körper spürte (so erzählte er es mir), dass eine Schlange auf dem Grundstück sein muss. Mit seiner Taschenlampe leuchtete er seine Umgebung ab und da war sie, die Spycobra. Er griff sich den nächstbesten Bambusknüppel und verfolgte das Vieh ums Haus herum übers ganze Grundstück, bis er sie endlich erwischte und ihr mit dem Knüppel Genick und Rückgrad brach.

Cobras sind sehr giftig. Von einer gebissen, ist das Leben eines Menschen innerhalb einer Stunde ausgehaucht, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die sogenannten Spycobras spritzen, oder spucken ihr Gift dem Feind in die Augen. Wenn man die Augen nicht sofort spült, führt das zur Erblindung. Brillenträger haben da einen gewissen Vorteil. Um so eine Spycobra könnte es sich handeln. Aber es ist schwer anhand von Bildern eine Schlange zu bestimmen….Senoreh glaubt, sich mit Schlangen auszukennen und ist sich sicher, dass es eine Cobra war, und er war auch einen Tag nach der Jagdt recht aufgeregt. Das war nach der ersten Schlange, die wahrscheinlich eine harmlose Hausschlange war, anders.

Senoreh hielt es für erforderlich zu betonen, dass er gern bei uns arbeitet und bleiben wird. Da kam mir der Gedanke, dass andere Nachtwächter nach so einer Schlangenkillertour vielleicht schon ihren Job bei uns an den Nagel gehängt hätten….

Angesichts dessen, dass ich im März allein hier sein werde, bin ich froh, dass Senoreh da ist. Senoreh der Mutige, der Schlangentöter und einzige Feuertänzer Afrikas, der Unheimlichegeschichtenerzähler und Marabou, der Naturliebhaber, der auf seinen Fingerknöcheln Liegestütze macht um mir zu zeigen, wie gut die Wunde verheilt ist, die ich ihm vor ein paar Tagen behandelt hatte.