Bilder des puren Grauens

Von Andrea

Wir schauen hier jeden Abend die Tagesschau. Heute Abend waren wieder besonders schreckliche Bilder aus Kiew zu sehen, nachdem die Russen sich von dort zurück gezogen haben. Wann hat dieser sinnlose Krieg endlich ein Ende? Und was kommt danach? Bei meinem ersten Eintrag ins Reisetagebuch war ich sehr traurig. Ratlos. Kann es in solchen Zeiten richtig sein, sein Land zu verlassen? Und wenn noch Schlimmeres passiert – kommen wir dann noch heim? Das und vieles mehr hat mich getrieben und verunsichert. Aber ich habe natürlich längst verstanden, dass das Einzige, was wir als deutsche Zivilbevölkerung tun können ist, die Geflüchteten so gut wie möglich zu unterstützen. Und das, dass weiß ich, passiert auf wunderbar engagierte Art und Weise in Arpke und überall sonst.

Aber dieser fürchterliche Krieg berührt auch die Menschen hier vor Ort. Als wir frisch angekommen waren, wurden wir von all unseren Freunden zunächst auf den Krieg angesprochen. Alle verurteilten diesen Krieg, der auf so sinnlose Weise so viele Opfer mit sich bringt. Das war in gewisser Weise tröstlich. Und auf gewisse Weise verbindet uns dieser Krieg, denn auch hier in Gambia steigen die Preise teilweise merklich. Das übliche Brot, Tapalapa genannt, kostet anstatt 7 jetzt 10 Dalassi. Gemüseöl zum braten anstatt 8-10 Dalasi jetzt 20-25 Dalassi. Treibstoff, der ja aus Nigeria kommt, statt 45-50 Dalasi, kostet jetzt knapp 60 Dalasi. Wohin wird das alles noch führen? Ich empfinde die derzeitige Situation mit dem Krieg sehr, sehr beängstigend. Es zeigt sich doch, dass in unserer heutigen globalisierten Welt alle Länder irgendwie voneinander abhängig sind. Und wenn es nur die polnischen oder spanischen Hühnereier aus Käfighaltung sind, die wir hier zum Frühstück essen. Das sind die Eier, die wir hier im Bazar kaufen können. Wir haben keine Wahl. Das sind aber auch die Eier, die die Einheimischen kaufen.

Vor unserer Abreise gab es eine Grafik in der HAZ die darstellte, welches Land in Afrika wieviel Prozent seines Getreides aus Ukraine und/oder Russland bezieht. Die Folgen von Missernten, oder gar keiner Ernten in diesen beiden Ländern werden sich katastrophal auf die Ernährungssituation in diesen Ländern auswirken. Das Schlimmste steht uns erst noch bevor. Da sind kalte Wohnungen in Europa im kommenden Winter nur ein kleineres Problem im Gesamtgeschehen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.