Die wundersame Geschichte des clearing agent

Von Andrea

Es war ein Freitag, als wir nach Gambia einreisten. Das Wochenende galt dem moslemischen Fest zum Geburtstag Mohammeds. Das ist in etwa wie Weihnachten. Wer kann, schenkt. Ansonsten wird gegessen und getrunken. Kein Alkohol natürlich.

Nun begab es sich ja so, dass ich dem clearing agent 75000 Dalasi für die Verzollung der Fahrzeuge und sein Lohn eingeschlossen bezahlt hatte. Da Bank und Zoll bereits geschlossen hatten, konnte der agent das Geld nicht mehr einzahlen. Er wollte es mir auch nicht zurück geben, weil er dann die Verzollung am Montagmorgen nicht hätte erledigen können, und ich wollte ja, dass er mir am Montag die Zollpapiere nach Sanyang bringt.

So überließen wir ihm das Geld mit einem dumpfen Gefühl in der Magengegend, jedenfalls in meiner. Das es am Ende zur Erstellung der Zollpapiere für die beiden Autos am Donnerstag kam, begründete er wohl folgendermaßen:

Ein Bekannter von ihm ist übers Wochenende zu den Feierlichkeiten anlässlich Mohammeds Geburtstag in sein Dorf gefahren. Dem hat der agent das Geld mitgegeben. Warum? K.A. Leider kam der Bekannte aber am Montag nicht aus dem Dorf zurück, ergo auch nicht das Geld. Auch am Dienstag kam der Freund mit dem Geld nicht zurück. Während der agent mir am Telefon noch zusicherte, abends die Zollpapiere zu bringen, war er am anderen Ende des Telefons dabei, seinen Freund zur Rückkehr zu bewegen, Rückkehr samt Geld. Aber weder der Freund, noch das Geld kam. Da er sich nicht traute, mir diese Geschichte zu erzählen, tischte er mir eine andere auf, nämlich dass er auf dem Weg zu mir am Dienstag noch bei einem anderen Klienten vorbei schauen musste. Als er dann in Sanyang ankam, bemerkte er, dass er bei ebendiesem Klienten sein handy liegen lassen hatte. So konnte er mich nicht anrufen, als er in Sanyang war, und mich nicht finden. So musste er leider unverrichteter Dinge wieder die weite Reise nach Banjul zurück antreten. Und das so spät abends.

Am Mittwochmorgen rief der agent mich um viertel vor acht Uhr an, er würde die Papiere ab 12.00 Uhr vorbei bringen. Ich fing ein ziemliches Theater mit ihm an, weil wir uns um 9.00 Uhr mit Banna in Brikama treffen wollten, um dann gemeinsam nach Janjanbureh zu fahren, wo Banna wohnt. Es sind rd. 300 kam, die wir nicht in der Mittagshitze fahren wollten, denn z.Z. Ist es hier sehr heiß. Der agent sagte zu, kam aber natürlich nicht zum Treffpunkt in Brikama. Banna telefonierte dann hin und her und auch mit dem agent, aber es half alles nichts.

Donnerstag rief Banna dann den Chief im Büro an und hatte Glück, dass der agent just im Büro des Chiefs saß und man gemeinsam Geld zählte. Der chief schien nicht sehr amused darüber, dass wir unsere Papiere noch immer nicht hatten. Er würde das klären. Zwei Stunden später rief Bannas Freund an, er hätte die Zollpapiere soeben erhalten.

Wie die Geschichte mit dem Bekannten mit unserem Geld in seinem Dorf ausgegangen ist, wissen wir nicht. Ob der agent das Geld je wiedergesehen hat, ebenfalls nicht. Was an dieser ganzen Story wahr, oder falsch ist, werden wir ebenfalls nie in Erfahrung bringen. Für uns zählen nur die Zollpapiere.

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