Das Ende des Ramadans ist nicht das Ende des Ramadans

von Andrea

Unser Ankunfstag hier in Gambia war der 26. Ramadantag, der Tag, an dem ganz besonders gefeiert wird. Jedenfalls hier. Wir kamen nach einem sehr langen Reisetag endlich in Sanyang an und wunderten uns über die vielen Menschen und vor allem Kinder auf der Straße zu so später Stund? Momodou brummelte zur Erklärung was in seinen nicht vorhandenen Bart, aber so viel war zu verstehen: Es war ein besonderer Tag des zu Ende gehenden Ramadans. Das wurde uns dann so richtig klar, als wir des nächtens kaum Schlaf fanden. Aus allen Moschelautsprechern, ob klar oder in der Tonqualität absolut verzerrt, erreichten uns bis zum frühen Morgen ununterbrochen gesungene Gebete. In der Lautstärke hörbar, in der Tonqualität erschreckend aufschreckend und schlafraubend. Es war ein wirklich langer Reisetag, aber der ununterbrochene schrammelige Lärm raubte uns den Schlaf. Ich war genervt!

Inzwischen neigt sich der Sonnabend und morgen ist der letzte Tag des Ramadan. Morgen ist der Ramadan zu Ende. Dann wird gegessen. Freunde und Nachbarn besuchen und beschenken sich mit Essen, es wird gegessen, es wird sich gegenseitig vergeben, es wird zum Friedhof gegangen um für die Verstorbenen zu beten. So jedenfalls hat es uns heute unser langjähriger Freund Brikama erklärt.

Brikama hat aber auch erzählt, dass Ramadan ein teurer Monat ist, bzw. sein kann. Denn wenn nach Einbruch der Dunkelheit endlich gegessen werden darf, gönnt man sich besondere Sachen zu essen. Und das einen ganzen Ramadan lang.
Ramadan bedeutet ja, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht zu essen, nicht zu trinken, keinen Alkohol zu sich zu nehmen, nicht rauchen und kein Sex. Nach Einbruch der Dunkelheit ist also alles erlaubt. Und weil man sich des Tages über so gequält hat mit der ganzen Enthaltsamkeit, belohnt man sich nächtens dafür ganz besonders. Find ich ja einerseits gut. Aber irgendwie auch merkwürdig.

Das Feiern des Ende vom Ramadan finde ich allerdings sehr schön. So wie Brikama davon schwärmte, wie schön es sei, dann seine nahen und ferneren Nachbarn zu treffen, die man das ganze Jahr über kaum kontaktiert hat, mit Ihnen und seinen Verwandten gemeinsam zu Essen, zu klönen, Essen zu verschenken, Essen geschenkt zu bekommen, so viele verschiedene leckere Sachen, sich gegenseitig bewusst Vergebung auszusprechen, gemeinsam auf den Friedhof zu gehen und der Verstorbenen zu gedenken und für sie zu beten – das ist doch wirklich eine schöne Tradition.

Es gehört vielleicht alles zusammen. Ganz bestimmt stärkt das ganze Geschehen um den Ramadan das Bewusstsein darüber, das nichts selbstverständlich ist und stärkt die Achtsamkeit auf die wesentlichen Dinge, die uns das Leben bietet.

die ersten Tage

von Andrea

Mittwoch Abend kamen wir an. Wie immer holte uns unser Freund Momodou mit seiner vollkommen fertigen Klapperkiste von Mercedes Benz vom Flughafen ab. „I like this car“ gestand er mir, als er mich Freitagmorgen zu Africell in Janbanjelly fuhr. Er lächelte dabei und es gab keinen Grund ihm zu widersprechen. Ich kenne das Gefühl von „I like this car“! Das galt damals meiner Ente 2CV. Und es galt für unsere GERDA.

Das Ankommen war dieses Mal anders. Pateh öffnete das Hoftor, half uns mit dem Gepäck und schloss die Haustür auf. Soweit alles wie immer. Aber drinnen im Haus hatte er das Licht schon angemacht und eine freundlich warme Atmosphäre empfang uns. Die Matratzen waren bezogen und das Moskitonetzt frisch gewaschen aufgehängt. Angekommen!

Am nächsten Tag: das Auto. Zum ersten Mal hatten wir es nicht auf dem betonierten Untergrund, sondern auf dem Boden abgestellt. Über die Regenzeit. Es war während der Regenzeit mit den Vorderrädern bis zu den Felgen im Schlamm eingesackt. Die Folge war, dass das rechte Vorderrad sich nicht mehr drehte, weil die Bremsbacken festgerostet war. Die Servolenkung machte komische Geräusche. Der Auspuff war abgegammelt. Aber die Batterie war intakt und das Auto sprang nach einem Jahr sofort an. Also: alles in Budder!

Zurück in Gambia

von Andrea

Von weit weg und nach längerer Zeit nicht mehr hier gewesen seins lässt es sich leicht sagen: weg damit, lass es uns verkaufen. Das Haus in Sanyang, Gambia. Und dann bist Du da, hast die ersten paar Tage mit den üblichen Scherereien überstanden, liegst am Strand, triffst Bekannte aus England, die Du schon seit Jahren, seit vor Corona, nicht mehr gesehen hast, aber hier kennengelernt hast und an Du viel gedacht hast in den Jahren, wieder, kommst nach Hause, in Dein Haus in Sanyang, alles ist aufgeräumt, Ali und Maimouna sind ein Paar und wollen heiraten-was soll ich sagen? Dies ist Heimat geworden. Ein Stück zuhause. All diese Menschen und noch mehr würden mir fehlen. Und vielleicht würden sie auch mich, uns vermissen?