Von Andrea








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Das war alles in allem wirklich schwer. Erstens hatten wir keine Ahnung, wie man einem Angestellten, mit dem man einfach nicht zufrieden ist, kündigt, und schon gar nicht, wie das in Afrika läuft. Außerdem trieb uns die Sorge: was macht er, wenn er nicht bei uns arbeiten kann und das Einkommen fehlt? Und dann auch: wie wird er das aufnehmen? Wird er uns, wie wir es oft genug erleben mussten, in Grund und Boden diskutieren? Wird er uns gegenüber aggressiv? Seit unserem letzten Aufenthalt hier vor einem Jahr hat er sich deutlich verändert, er wirkte mitunter aggressiv und bedrohlich.
Nachdem Kurt und ich uns nach langen Diskussionen und Abwägungen einig waren, dass Sinoreh nicht zu halten ist, haben wir uns ein, zwei Freunden anvertraut und um Rat gebeten. Die Reaktionen waren ernüchternd. „Wenn es nicht passt, muss er gehen. Es ist Euer Leben! Wer will Ärger wenn man nach Hause kommt? Du kannst im Beruf, im Alltag, überall Ärger haben, mit dem Du klar kommen musst, aber zu Hause willst Du Frieden haben. Das ist normal!“ Dieses waren die Reaktion und Antworten. Gut. Wir haben eine Lösung gefunden und Sinoreh musste gehen. Es war ein Abgang ohne Diskussionen und ohne böse Worte. Das war gestern Vormittag. Er ist weg, und wir sind sehr erleichtert.
Er war immer speziell und am Anfang fanden wir ihn, ja, exotisch? Interessant? Weil so anders? Es hat sich in unserer Sichtweise über die Zeit vieles geändert, aber vor allem auch an seinem Verhalten. Er ist weg, und wir fühlen uns extrem erleichtert!
Heute Morgen haben wir seine Hütte ausgeräumt und sauber gemacht. Der neue Watchman soll eine schöne, saubere Unterkunft vorfinden. Wir haben dabei geschwitzt wie die Tiere. Es ist heute mal wieder einer dieser wirklich heissen Tage…
Morgen kommt Dimingo. Er will den Watchman machen. Er ist aus Guinea. Spricht nur portugiesisch und Creol. Das wird noch lustig. Ein älterer Herr, Vater von erwachsenen Kindern, seine Frau ist schon vor vielen Jahren, als er noch in Guinea lebte, gestorben. Er hat nie wieder geheiratet. Er ist auch builder und berufstätig und sein Sohn mit Schwiegertochter leben hier in Sanyang. Bei ihnen nimmt er auch seine Mahlzeiten ein. Uns gefällt die Vorstellung gut, dass er morgens zur Arbeit geht, und nachmittags wieder nach Hause kommt, und nicht den ganzen Tag hier rumlungert und uns auf den Teller guckt…Vamos a ver.
Von Andrea
Kurt hat gemeinsam mit Mamadou, einem Taxifahrer und Freund, die Papiere fürs Auto und Motorrad auf den neuesten Stand gebracht. Alles sollte jetzt seine Ordnung haben.
Von Andrea
Bei der letzten Regenzeit im Sommer 2019 war einiges an Regenwasser durch ein größeres Loch im Dach die Wand hinuntergeflossen. In der diesjährigen Regenzeit an einer weiteren Stelle. Es sah einfach alles nicht mehr schön aus und deshalb haben wir Gomez I beauftragt, die Wohnung neu zu streichen. Das ist jetzt fertig.
Die Fensterläden und Haustüren aus Metall rosten leise vor sich hin. Ich hatte letztes Frühjahr bereits mit Rostegal die rostigen Stellen überpinselt, aber das Rosten geht weiter. Deshalb haben wir Gomez I beauftragt, die Türen und Fensterläden mit Rostegal zu streichen, bis es alle ist. Anschließend ist er dann mit Farbe rüber gegangen. Im Frühjahr gibt es dann mehr Rostegal (etwas vergleichbar probates gibt es hier nicht) und dann kann er weitermachen.
Von Andrea
…unterscheidet sich schon von einem Ferienhaus in z.B. Tirol, oder Ostsee. Hier herrschen ganz andere Klimabedingungen, insbesondere die Regenzeit mit ihrer sehr hohen Luftfeuchtigkeit ist problematisch. Jedenfalls gibt es nach der diesjährigen Regenzeit, die gerade geendet hat, zahlreiche Stockflecken in den Bezügen unserer Sofapolster. Das führt dann leicht, oder bald dazu, dass der Stoff bricht. Er löst sich auf. Hin.
Richtig doof ist aber etwas ganz anderes. Unser Dach ist aus Zinkblech. Wellblech. Das ist hier üblich. Aber die Qualität des Blechs ist nicht so gut. Und obwohl es verzinkt ist, kann es relativ schnell rosten, wenn die Umstände entsprechend sind.
Das erste schwerwiegende Loch im Dach dort, wo das Blech auf der Außenmauer aufliegt, entstand schon während der letzten Regenzeit und es muss einiges an Wasser ins Haus geflossen sein. Die Wand sah in dem Bereich entsprechend aus. Zu Beginn dieser Regenzeit hat Louis, unser builder, das Dach repariert und gleich noch ein zweites Loch, auch da, wo das Blech auf der Außenmauer aufliegt.
Während meines Studiums verbrachte ich einige Zeit auf den Cap Verdischen Inseln, wo ein Berufskollege von mir Zysternen zur Wasserspeicherung baute. Er klagte über den salzigen Sand, der vom Strand geholt wurde, um ihn im Beton zu verarbeiten. Mit dem knappen Süßwasser auf der Insel galt es sparsam umzugehen, das bedeutete, der salzige Sand wurde kaum gewaschen. Die Folge war, dass das Salz im Sand die Bewehrung im Beton angriff.
Daran erinnerte ich mich, als sich unser Dach genau dort zerlegte, wo es auf die Außenmauer trifft, und, damit nichts eindringen kann, schön mit Zement verschmiert wurde. Als ich meine Vermutung zum Besten gab, nämlich, dass der Sand salzig ist und deshalb das Blech rostet, bekam ich mehr und mehr Zustimmung. Ja, der Sand sei zu salzig. Plötzlich wissen es alle…Mit diesem Wissen müssen wir nun eine Lösung des Problems finden, denn es ist absehbar, dass diese Korrosion weitergeht. Schon jetzt sieht man hier und da kleine Löcher im Dach, oberhalb der Wand, wo das Sonnenlicht durchscheint.
Morgen werden wir mit Louis, unserem builder, Lösungen diskutieren. Ich bin gespannt…
Von Andrea







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….schrieben uns Freunde zum Abschied. Wir haben einen schönen Urlaub und werden uns hier gut erholen. Und doch ist nichts, wie es war. Am Strand sind wir die einzigen Gäste. Dort, wo sich bei Jawla am Strand die Tagestouristen tummelten und eine fröhliche Urlaubsatmosphäre versprühten, herrscht jetzt Einsamkeit. Während unter normalen Umständen am Wochenende der Parkplatz von Jawlas Hotel, Restaurant und Beachbar proppenvoll war, herrscht jetzt gähnende Leere.
Jawlas Koch Karamba hat sich mittlerweile auf uns eingestellt. Nach ein paar Tagen der Eingewöhnung hat er nun auch wieder Gemüse eingekauft, um Kurt vegetarisch bekochen zu können. Für mich gibt es Fisch und Reis, Fisch und Pommes. Es gibt auch gerade wieder Bier, und man hat sich einkaufstechnisch auch auf meine Vorliebe für Weißwein eingestellt. Wir werden also sehr exklusiv bewirtet.
Dennoch ist es seltsam, Urlaub zu machen, wo und wenn sich sonst niemand traut. „Das Leben muss weitergehen, wenn auch unter Beachtung anderer Werte und Normen“ schrieben mir Anja und Holger zum Abschied. Und ich denke, genau darauf läuft es hinaus. Wir alle werden in Zukunft unser Tun und Handeln ändern müssen, wenn wir bei diesem ganzen Corona Mist nicht traurig und einsam werden wollen.
Mir jedenfalls tut es extrem gut, das Meer zu beobachten, die Brandung, den blauen Himmel über uns und die Palmen um uns herum. Am Strand spüre ich die Leichtigkeit wieder, die mir unter den Monaten unter Corona ganz langsam, heimlich und schleichend verloren gegangen war.
Im Gespräch mit Jawla, der als Hotelbesitzer nun selber die Gäste (also uns) bewirtet und das meiste Personal nach Hause schicken musste, haben wir festgestellt, dass wir beide in unserer Generation zwei historische Ereignisse erlebt haben. Jawla hatte neben der jetzigen Pandemie eine schwere Hungersnot in 1982 erleben müssen, nachdem in 1981 ein Staatsstreich vereitelt worden war. Bei uns in Deutschland ist es die Grenzöffnung in 1989 und diese Pandemie. Auch die Generation unserer Großeltern musste zwei historische Ereignisse erleben, den 1. und den 2. Weltkrieg. Und die Generation unserer Eltern den 2. Weltkrieg und all die damit einhergehenden, kolossalen politischen Veränderungen in unserem Land. Unsere Generation hat doch über eine sehr, sehr lange Strecke ein wirklich süßes Leben geführt…
Von Andrea
Gambia ist nicht das Tal der Glückseligen, an denen Corona vorbei geht. Es ist bekannt, dass der Vizepräsident und einige seiner Minister Corona hatten. Mein Eindruck ist, die gebildeteren Menschen verstehen, dass Corona nicht vorbei ist, noch lange nicht. Und die weniger Gebildeten sprechen davon, dass es zu Ende ist. Alles gut. Tatsächlich gab es einen monatelangen lockdown seit Mitte März bis vor wenigen Wochen.
Die Mitarbeiter in Jawlas Rainbow Lodge sind vorsichtig, halten Abstand, der ellbowcheck ist hier nun das übliche Begrüßungsritual. Wer weiß, vielleicht haben sie auch Angst vor uns Deutschen. Man weiß hier schon, wie arg Corona in Europa herrscht…Aber ich war sehr erstaunt, wie wenig die Leute allgemein darüber wissen. Ich meine, hier wird jedes Fußballspiel mit Begeisterung geguckt, so weit ich das beurteilen kann unabhängig davon, ob es eine besondere Wichtigkeit hat. Aber in den Pausen, bzw. wenn die Nachrichten kommen, scheint keiner hinzusehen. Jedenfalls stoße ich auf Fassungslosigkeit, wenn ich erzähle, wie schlimm es den Menschen in Deutschland, Europa und Amerika erging am Anfang der Pandemie, und wie schlimm es auch jetzt wieder ist.
Von Andrea
Wie schon gesagt: es ist heiß hier. Viel heißer, als ich es je erlebt habe. Und ich bin ja schon öfter hier gewesen.
Unser Auto, die Vanette, muss zur Werkstatt. Unserem Freund und Taxifahrer Mamadou trauten wir unser Auto an. Erstens kennt er sich gut mit Autos aus, und wusste sofort, was das Problem bei unserer Vanette ist, zweitens kenne ich ihn schon lange als meinen bevorzugten Taxifahrer, weil er immer absolut fair und hilfsbereit war. Ein richtig lieber, junger Mann. Letztes Jahr, als wir hier waren, war er gerade Vater geworden und das machte ihn offensichtlich sehr glücklich und auch stolz. Ich vertraue Mamadou. Deshalb war er gestern Abend hier, um unser Auto abzuholen und um damit morgen nach Brikama zu fahren, um es reparieren zu lassen. Er sagte, wenn wir als Weiße dort ankämen, würde es direkt das doppelte kosten. Und da hat er sicher recht.
Jedenfalls kam Mamadou gestern Abend, um das Auto abzuholen. Wir luden ihn in unsere Kemenate ein. Ich bot ihm Wasser an. Moslem. Softdrinks sind gerade aus, weil die Getränkefabrik und Brauerei gerade geschlossen hat. Wir saßen alle schwitzend in unserem Haus und klärten das morgige Vorgehen. Da fragte Mamadou ganz unvermittelt, ob wir keinen Ventilator hätten? Es sei doch recht heiß hier im Haus….
Also, naja, ich wollte ja den Luxus in unserem Haus immer so klein wie möglich halten. Der Kühlschrank war mein einziges Zugeständnis an den Fortschritt. Als mein Gatte Kurt auf die Idee kam , wir bräuchten elektrisches Licht im Haus, hab ich mich durchaus gewehrt. Die IKEA-Kerzen, die ich massenhaft hierher gekarrt hatte machten zwar eine gemütliche Atmosphäre aber nicht wirklich Licht. Das liegt wohl auch an dem anthrazitfarbenen Fußboden in unserem Haus. Der schluckt viel Licht…
Als Kurt und Markus dann im letzten November die Elektroleitungen für die elektrische Beleuchtung installierten und unsere in Marokko gekauften Lampen aufhingen, da musste ich schon eingestehen, dass das elektrische Licht ganz schön ist….
Und jetzt hat der Gatte mal ganz nebenbei, auf der Heimfahrt vom Strand, einen Ventilator gekauft! Wie geil ist das denn??? Luft! Luftbewegung! Ich liebe meinen Gatten! Er ist der Größte! Ehrlich, ich wäre auf die Idee mit dem Ventilator nicht gekommen!
Von Andrea
Nach einer heißen Nacht, die sich erst zum Morgen hin etwas abkühlte, nahmen wir im Schweiße unseres Angesichts schön heißen Kaffee zu uns. Dann fanden unsere glühenden Körper ein wenig Abkühlung unter einer unerwartet frischen Dusche.
Aus mit dem Quatsch jetzt! Es ist sauig heiß, kein Windlein weht. Bei der Hitze, in unserem Alter Sex? Da kann man sich ja gleich die Kugel geben.
Das tun wir alles nicht, sondern fahren mit unserer Vanette zum Turntable um Geld zu wechseln, Datenvolumen für den Huawei zu kaufen und im Supermarkt einzukaufen. Als wir das Auto geparkt hatten sahen wir das Malheur: der linke Vorderreifen war platt. Aber sowas von! Glücklicherweise war ein paar Meter weiter der Reifenaufpumper und -reparieren! Der kleine, eigentlich schulpflichtige vielleicht 12-Jährige stellte ziemlich schnell fest: da geht nichts mehr. Ventil im Eimer. Papa gerufen, Reifen abgebaut, Ventil repariert. Währenddessen hat Kurt den Ersatzreifen eingebaut. Ab geht die Post. Schnell noch zum Supermarkt und zum Getränkehändler um unseren nicht vorhanden Antialkoholgetränkevorrat aufzustocken. Aber das funktionierte irgendwie nicht.
Dann schnell nach Hause, die Einkäufe in den Fridge und dann ab an den Strand. Kurz vor Sanyang einer dieser Polizeikontrollpunkte. Die wollten es ganz genau wissen. Fahrzeugpapiere, woher, wohin, Führerschein. Alles prima. Ach ja, dann könnte man ja auch noch mal den Pass sehen. Hatte ich aber nicht. -Tja, den musst Du aber dabei haben. – Ja, das weiß ich, und es tut mir furchtbar leid, aber den habe ich einfach vergessen. Wir sind erst vorgestern angekommen und hatten in unserem Haus in Sanyang so viel zu tun, dass noch nicht alles an seinem Platz ist. Es tut mir wirklich schrecklich leid, dass ich den vergessen habe, aber was soll ich denn nun tun? – ein langes Schweigen meines Gegenübers. Wenn der jetzt denkt, er könnte bei mir abkassieren, werde ich zur Furie. Oder auch eher nicht. Dazu war ich nach den Aktivitäten bei dieser gnadenlosen Hitze gar nicht in der Lage. – Hm, ohne Deinen Pass kann ich nicht sehen, wann Du ins Land gekommen bist? – Oh, mein Mann hat seinen Pass dabei (der hatte dafür seinen Führerschein vergessen, weshalb ich fuhr). Schauen Sie da hinein, dort finden Sie unser Ankunftsdatum! – und – er ließ sich darauf ein! Und während er so neben dem Auto steht und in Kurts Pass herumblättert bemerkt er eher beiläufig, dass unser linker Vorderreifen platt ist. Ich gucke – alter Schwede, nicht nur platt, total im Arsch, würde ich sagen. Der freundliche Polizist bemerkte wohl meine Fassungslosigkeit und ließ uns endlich weiterfahren.
Ein paar Meter weiter auf festem Untergrund einer Tankstelle wechselten wir erneut den Reifen.