Ein Herr klopft ans Hoftor

Von Andrea

An einem Sonntag Vormittag klopft es am Hoftor. Wir erwarteten niemanden. Aber Kurt, der gerade versonnen verliebt seinen wunderschönen Store betrachtete, mit all den schönen Werkzeugen darin, öffnet das Tor, und vor ihm steht ein hochgewachsener Herr im Sonntagsornat. Er stellt sich als ein Nachbar von da drüben vor. –

Da drüben befindet sich das Dorf. Man denkt immer, wenn mal wieder jemand kommt, und sich als Nachbar von drüben vorstellt, dass er da hinten in der Straße wohnt. Aber tatsächlich könnten sie von irgendwo im Dorf kommen, denn wir, unser Haus, befindet sich am Ortsrand.

Jedenfalls erzählt der Nachbar, dass er die vorigen Besitzer dieses Grundstückes kennt und früher öfter mal hier war, jetzt aber schon sehr lange nicht mehr und einfach mal vorbei schauen wollte, „Guten Tag sagen“, gucken, wie es hier mittlerweile so aussieht (unser Grundstück wird von einem Maschendrahtzaun eingefriedet. Damit man hinein- und hinausschauen kann).

Als höflicher Mensch, und mit Nachbarn sollte man sich immer gut stehen, lädt Kurt den Herrn aufs Grundstück ein. Neugierig eile ich den beiden entgegen, die sich, der Nachbar vorweg, gemäßen Schrittes aber doch zielstrebig dem Tallobaum in der hinteren Grundstücksecke nähern.

Der Herr erzählt uns, dass er im Gesundheitswesen arbeitet und in Soma lebt, von wo aus er, „ach ja, wie ist das denn mit Corona in Deutschland? Immer schön Abstand halten, ne? Und Hände waschen, Masken tragen nicht vergessen!“, in die Dörfer geht und über Hygiene, Verhütung, HIV und jetzt natürlich Corona und die AHA Regeln informiert.

Und während wir drei uns langsam aber sicher immer weiter in Richtung Tallobaum bewegen, erzählt Kurt dem Herrn über das Ärgernis mit den Kindern, die vor lauter Gier nach diesen Tallofrüchten schon die ganze Zaunecke kaputt gemacht hätten und unten im Zaun mittlerweile ein Loch ist, durch das sie auf unser Grundstück kriechen, wenn wir nicht da sind, um sich die Früchte zu holen, mit Stöckern und Steinen nach den Früchten im Baum würfen und dass das Diebstahl sei und wir den Kindern bereits mit Polizei gedroht hätten, was aber nur von kurzer Wirkung gewesen sei, und das wir sehr unglücklich über das Verhalten der Kinder seien und nicht wüssten, wie wir der Situation Herr werden sollten.

Der Herr nickte und lächelte und hatte bereits einige Tallos aufgesammelt als er sich hilfesuchend nach etwas umschaute, in das er die Tallos sammeln könnte, und ich eilte ins Haus, um eine Tüte zu holen. Unser Nachbar bedankte sich für die Tüte und sammelte emsig weiter, bis kein Tallo mehr hineingingen. „Ja dann,“ sagte er, „war nett Sie beide kennengelernt zu haben!“, lächelte und strebte gen Hoftor.

„Was war das denn?“ „Der war einzig wegen der Tallos gekommen!“ unser Nachbar….

Tallo Früchte

Von Andrea

Obst

Tallo Früchte

Die Früchte von Detarium senegalense sind in der Region Senegambia unter dem Namen Ditakh (auch mit der Schreibweise DitachDitah und Ditax in der Wolof-SpracheTallo auch mit der Schreibweise Taloo in MandinkaBoto in FulfuldeBungungut in Diola[6]) bekannt.

Die an Vitamin C reiche und auch sonst sehr nahrhafte Frucht hat ein grünliches, faserig-mehliges Fruchtfleisch und ist von säuerlichem Geschmack.

Die Frucht wird frisch gegessen oder in der lokalen Küche Senegals und Gambias zu einem erfrischenden Getränk verarbeitet, dessen Saft leuchtend grün beschaffen ist. Die Früchte reifen 170 bis 200 Tage und können nach dem Pflücken vom Baum eineinhalb Monate aufbewahrt werden.[7]

Die Früchte enthalten etwa 1290 mg Vitamin C pro 100 g (knapp halb so viel wie die Acerola-Frucht) und zählen damit zu den Vitamin-C-reichsten Früchten überhaupt. Daneben enthalten sie auch B-Vitamine, Calcium, Eisen und Phosphor.[8]

Karamo, der Koch

Von Andrea

Bis hierher hatten wir sehr viel Abwechslung in unserem Urlaub. Schöne, und nicht so schöne Ereignisse. Aber: wir waren jeden Nachmittag am Strand. Konsequent. Da konnte uns nichts und niemand von abhalten. Meistens haben wir dort auch gegessen, so blieb zu Hause die Küche überwiegend kalt. Karamo, der Chefkoch bei Jawla wartete schon auf uns. Er hatte ja nichts zu tun. Nach ein paar Tagen hatte er sich mit einem kleinen Gemüsevorrat auch auf Kurts vegetarische Kost eingestellt. So, wie Kurt sich auf die Verhältnisse hier eingestellt hatte, und auch Fisch gegessen hat. Denn überwiegend waren wir die einzigen Gäste, erst recht die Einzigen, die hier gegessen haben.

Nachdem nun Gemüse vorhanden war, haben wir Karamo zu neuen Speisekreationen überreden können. So gibt es normalerweise Yassa, eine Sauße auf Basis von Zwiebeln und Senf/Essig. Etwas säuerlich. Die gibt es zu Fisch, oder Hühnchen. Jetzt gibt es auch Vegetable Yassa. Weiterhin gibt es Domoda, eine Sauce auf Basis von Erdnussbutter. Wie Yassa auch zu Huhn oder Fisch, jetzt auch zu Gemüse. Diese Kombination hat uns auch überzeugt. Yassa ist lecker, aber nicht so sehr mit Gemüse….Außerdem haben Kurt und Karamo zusammen German Bratkartoffeln gebraten. Kurt ist Spitzenreiter im Bratkartoffeln kochen. Keiner kann das besser als Kurt. Und so bat Karamo ihn, mit in die Küche zu kommen, und ihm zu zeigen, wie er las macht. Karamo kannte zwar Bratkartoffeln, aber die schmeckten nicht. Jetzt hat er’s drauf!

Heute ein paar Bilder vom Strand

Von Andrea

Sundowner am Strand von Jawlas Rainbow Lodge
Die Sonne versinkt hier meistens im Dunst, selten im Meer
Richtung Norden die vielen Fischerboote
Richtung Norden und gleich nebenan die vielen Fischerboote, die täglich mit ihrem Fang für frischen Fisch in Jawlas Restaurant sorgen.
Richtung Süden gibt es noch ein paar weitere kleine Lodges, aber keine weiteren Touristen.
Jawlas Strandbar im Sonnenuntergang, menschenleer, bis auf zwei einsame deutsche Touristen

Wir haben Sinoreh gekündigt

Von Andrea

Das war alles in allem wirklich schwer. Erstens hatten wir keine Ahnung, wie man einem Angestellten, mit dem man einfach nicht zufrieden ist, kündigt, und schon gar nicht, wie das in Afrika läuft. Außerdem trieb uns die Sorge: was macht er, wenn er nicht bei uns arbeiten kann und das Einkommen fehlt? Und dann auch: wie wird er das aufnehmen? Wird er uns, wie wir es oft genug erleben mussten, in Grund und Boden diskutieren? Wird er uns gegenüber aggressiv? Seit unserem letzten Aufenthalt hier vor einem Jahr hat er sich deutlich verändert, er wirkte mitunter aggressiv und bedrohlich.

Nachdem Kurt und ich uns nach langen Diskussionen und Abwägungen einig waren, dass Sinoreh nicht zu halten ist, haben wir uns ein, zwei Freunden anvertraut und um Rat gebeten. Die Reaktionen waren ernüchternd. „Wenn es nicht passt, muss er gehen. Es ist Euer Leben! Wer will Ärger wenn man nach Hause kommt? Du kannst im Beruf, im Alltag, überall Ärger haben, mit dem Du klar kommen musst, aber zu Hause willst Du Frieden haben. Das ist normal!“ Dieses waren die Reaktion und Antworten. Gut. Wir haben eine Lösung gefunden und Sinoreh musste gehen. Es war ein Abgang ohne Diskussionen und ohne böse Worte. Das war gestern Vormittag. Er ist weg, und wir sind sehr erleichtert.

Er war immer speziell und am Anfang fanden wir ihn, ja, exotisch? Interessant? Weil so anders? Es hat sich in unserer Sichtweise über die Zeit vieles geändert, aber vor allem auch an seinem Verhalten. Er ist weg, und wir fühlen uns extrem erleichtert!

Heute Morgen haben wir seine Hütte ausgeräumt und sauber gemacht. Der neue Watchman soll eine schöne, saubere Unterkunft vorfinden. Wir haben dabei geschwitzt wie die Tiere. Es ist heute mal wieder einer dieser wirklich heissen Tage…

Morgen kommt Dimingo. Er will den Watchman machen. Er ist aus Guinea. Spricht nur portugiesisch und Creol. Das wird noch lustig. Ein älterer Herr, Vater von erwachsenen Kindern, seine Frau ist schon vor vielen Jahren, als er noch in Guinea lebte, gestorben. Er hat nie wieder geheiratet. Er ist auch builder und berufstätig und sein Sohn mit Schwiegertochter leben hier in Sanyang. Bei ihnen nimmt er auch seine Mahlzeiten ein. Uns gefällt die Vorstellung gut, dass er morgens zur Arbeit geht, und nachmittags wieder nach Hause kommt, und nicht den ganzen Tag hier rumlungert und uns auf den Teller guckt…Vamos a ver.

Fahrzeugpapiere

Von Andrea

Kurt hat gemeinsam mit Mamadou, einem Taxifahrer und Freund, die Papiere fürs Auto und Motorrad auf den neuesten Stand gebracht. Alles sollte jetzt seine Ordnung haben.

Haus von innen pinseln

Von Andrea

Bei der letzten Regenzeit im Sommer 2019 war einiges an Regenwasser durch ein größeres Loch im Dach die Wand hinuntergeflossen. In der diesjährigen Regenzeit an einer weiteren Stelle. Es sah einfach alles nicht mehr schön aus und deshalb haben wir Gomez I beauftragt, die Wohnung neu zu streichen. Das ist jetzt fertig.

Die Fensterläden und Haustüren aus Metall rosten leise vor sich hin. Ich hatte letztes Frühjahr bereits mit Rostegal die rostigen Stellen überpinselt, aber das Rosten geht weiter. Deshalb haben wir Gomez I beauftragt, die Türen und Fensterläden mit Rostegal zu streichen, bis es alle ist. Anschließend ist er dann mit Farbe rüber gegangen. Im Frühjahr gibt es dann mehr Rostegal (etwas vergleichbar probates gibt es hier nicht) und dann kann er weitermachen.

Ein Ferienhaus in Gambia zu haben….

Von Andrea

…unterscheidet sich schon von einem Ferienhaus in z.B. Tirol, oder Ostsee. Hier herrschen ganz andere Klimabedingungen, insbesondere die Regenzeit mit ihrer sehr hohen Luftfeuchtigkeit ist problematisch. Jedenfalls gibt es nach der diesjährigen Regenzeit, die gerade geendet hat, zahlreiche Stockflecken in den Bezügen unserer Sofapolster. Das führt dann leicht, oder bald dazu, dass der Stoff bricht. Er löst sich auf. Hin.

Richtig doof ist aber etwas ganz anderes. Unser Dach ist aus Zinkblech. Wellblech. Das ist hier üblich. Aber die Qualität des Blechs ist nicht so gut. Und obwohl es verzinkt ist, kann es relativ schnell rosten, wenn die Umstände entsprechend sind.

Das erste schwerwiegende Loch im Dach dort, wo das Blech auf der Außenmauer aufliegt, entstand schon während der letzten Regenzeit und es muss einiges an Wasser ins Haus geflossen sein. Die Wand sah in dem Bereich entsprechend aus. Zu Beginn dieser Regenzeit hat Louis, unser builder, das Dach repariert und gleich noch ein zweites Loch, auch da, wo das Blech auf der Außenmauer aufliegt.

Während meines Studiums verbrachte ich einige Zeit auf den Cap Verdischen Inseln, wo ein Berufskollege von mir Zysternen zur Wasserspeicherung baute. Er klagte über den salzigen Sand, der vom Strand geholt wurde, um ihn im Beton zu verarbeiten. Mit dem knappen Süßwasser auf der Insel galt es sparsam umzugehen, das bedeutete, der salzige Sand wurde kaum gewaschen. Die Folge war, dass das Salz im Sand die Bewehrung im Beton angriff.

Daran erinnerte ich mich, als sich unser Dach genau dort zerlegte, wo es auf die Außenmauer trifft, und, damit nichts eindringen kann, schön mit Zement verschmiert wurde. Als ich meine Vermutung zum Besten gab, nämlich, dass der Sand salzig ist und deshalb das Blech rostet, bekam ich mehr und mehr Zustimmung. Ja, der Sand sei zu salzig. Plötzlich wissen es alle…Mit diesem Wissen müssen wir nun eine Lösung des Problems finden, denn es ist absehbar, dass diese Korrosion weitergeht. Schon jetzt sieht man hier und da kleine Löcher im Dach, oberhalb der Wand, wo das Sonnenlicht durchscheint.

Morgen werden wir mit Louis, unserem builder, Lösungen diskutieren. Ich bin gespannt…

Heute mal ein paar Bilder

Von Andrea

Das ist unsere Essecke unterm Mangobaum. Hier ist es immer schön schattig und hier geht meistens auch ein leichter Wind. Abends ist es allerdings nicht so gemütlich, weil es im Moment noch sehr viele Moskitos und andere Fluginsekten gibt, die ein nerven. Deshalb halten wir uns mit der Dunkelheit so ab 20.00 Uhr lieber im Haus auf.
Blick aus unserer hinteren Haustür. Sie liegt nach Norden, die zweite, größere und eigentlich Haupteingangstür liegt nach Süden und voll in der Sonne. Deshalb benutzen wir lieber die nach Norden. Die ist auch näher an unsere Essecke. Hinten im Bild ist ein Betonpodest, der noch von unseren Vorgängern stammt. Die hatten darauf ein Nomadenzelt aus Mauretanien, unter dem sie dann im Schatten saßen….wir lagern da im Moment immer noch die Deckenbalken, die wir aus dem Haus ausgebaut hatten. Sie sind aus sehr schweren, harten Holz und niemand will sie ernsthaft habe, weil sie so schwer zu bearbeiten sind. Wir denken, uns wird schon noch was einfallen, wo wir sie einsetzen können.
Blick Richtung Süden. Rechts stehen zwei Bananenstauden, von denen die eine reife Bananen trug, als wir ankamen. Unsere erste Ernte. Sie waren wirklich sehr lecker. Leider handelt es sich um eine kleinwüchsige Sorte Bananen. Die sind leichter zu ernten. Aber weil sie nicht sehr hoch wachsen, bilden sie auch keinen Schatten. Das finde ich etwas schade.
Um 180 Grad gedreht, Blick Richtung Norden. Das sind Blumen, die ich vor einem Jahr gekauft hatte, und die wir hier eingepflanzt haben. Der Baum mit dem dicken Stamm ist ein Tallobaum. Er wirft gerade rigorose Früchte ab, auf die hier Klein und Groß stehen. Die Kinder reißen sich regelrecht drum. Links hinten im Bild steht ein Limettenbaum. Der ist leider in unserer Abwesenheit abgeerntet worden. Ganz hinten in der Mitte ist wieder der Betonsockel mit den Holzbalken drauf.
Ein paar Schritte weiter Richtung Norden. Links die hintere Eingangstür und hinten unsere Essecke.
Noch ein paar Schritte weiter lins das Außenclo für den Nachtwächter. Rechts an die Hauswand gelehnt Keilrahmen, die leider sehr unter der Regenzeit gelitten haben. Sie sollen hier erstmal abtrocknen und dann schauen ma mal…Dahinter unser Waschplatz. Hier wird Wäsche gewaschen, Geschirr gespült…Ganz hinten das Nachtwächterhaus.
Und noch ein paar Schritte weiter Richtung Süden das Tor zum Grundstück und unsere Vanette. Den Baum in der Bildmitte haben wir gerade an der Grundstücksgrenze ausgebuddelt und umgepflanzt. Nun ist sein Laub trocken, aber er soll wieder ausschlagen, wurde uns gesagt. Das wäre jedenfalls schön…links neben dem Haus liegen noch ein paar Decken, mit denen die Möbel und alles abgedeckt werden, bevor wir wieder abreisen, um die Möbel wenigstens etwas vor all zu viel Staub zu schützen.