Ein Gefühl der Leichtigkeit

von Andrea

….stellt sich ein. Auch wenn auch hier nichts leicht ist.

Fangen wir doch bei den Eiern an?! Nie waren sie teurer. Vor Jahren saß ich in Jawlas Rainbow Lodge morgens fassungslos vor meinem Frühstücksei. Es war gestempelt. Ein Stempel aus der Europäischen Union, genauer: aus Polen. Ein Ei aus polnischer Käfighaltung im Eierbecher zu meinem Frühstück in Gambia, Westafrika. Hartgekocht, versteht sich! Wegen der Salmonellengefahr, die Eier nun mal so mit sich bringen. Wieviel damals ein Ei gekostet hat, weiß ich nicht. Aber bis vor einem Jahr kostete ein Ei aus Europa 7 Dalasi. Die wenigen Eier aus hiesiger Zucht das selbe. Jetzt kostet ein Ei ohne europäischen Stempel 13 Dalasi.

Es war absehbar, aber ich hatte gehofft, dass es nicht eintreffen würde. Und ich hatte keine Vorstellung, wie schnell es geschehen würde/könnte? „Die Fischer bringen keine Fische mehr nach Hause.“ Sagt Jawla. Ein grätiger, nicht essbarer, nur zum auskochen geeigneter Bongafisch kostet jetzt nicht mehr 3 Stück für 5 Dalasi, sondern 25! Alles ist teurer geworden. Der Liter Diesel kostet 80 Dalasi, ein Euro entspricht 70 Dalasi.
Die chinesische Fischfabrik liegt anscheinend in ihren letzten Zügen, weil sie nicht mehr genug Fisch angeliefert bekommt, um das in ihr produzierte Fischmehl an die norwegischen Lachszuchten, deren Produktion auf unseren Tellern in Arpke landen, zu liefern. Der Kreislauf schließt sich, und wir stehen sehenden Auges vor dieser Katastrophe und was tun wir? Können wir etwas tun?

Noch gab es keine Gelegenheit mit Jawla, mit dem ich so gerne philosophiere, über all die Dinge, die die Welt gerade verändern, zu reden.

Und ich frage mich: Jammern wir zu viel? Auf hohem Niveau? Sind wir so dermaßen verwöhnt? Oder sind die Menschen hier leidensfähiger? Und macht das Sinn? Ist das in Ordnung? Sollten wir uns was abschauen?
Ich weiss es nicht! Keine, auch nicht die geringste Ahnung! Aber ich spüre eine Leichtigkeit, wie lange nicht mehr. Mag am langen Winter zu Hause liegen, sonst war ich im Oktober/November immer für eine Weile hier und konnte Sommer genießen…das fiel im letzten Herbst wegen meines gebrochenen Armes aus. Aber hier, in der Sonne, in der Wärme, da geht es mir gut. Eine gewisse Leichtigkeit hat mich eingeholt. Eine Leichtigkeit, die wohltut. Tanzen, singen, albern sein. Das ist schön!


my family

Joan Armatrading

Have you met my family
Wouldn’t take long to know them well
Though they number from one to a million
In this house we all dwell

Say hello to Jo, she’s a goddess
And to Paul, he is a saint
And Adam, he’s from the forest
And to Jane, all day she paints

You ask me how I feel now
Well I will tell you no lie
Jessie, you bring the sunshine
And you can see it in her eyes

Johnny tends the garden
And little David sows the seeds
Our manna is from heaven

He gives us all we need

He is Peter
He’s a piper, yeah
And they will never grow old
So I bid you welcome
Welcome brothers, yeah
Welcome to the fold

You ask me how I feel now
Well I will tell you no lie
Jessie, you bring the sunshine
And you can see it in her eyes

Johnny tends the garden
And little David sows the seeds
Our manna is from heaven
He gives us all we need

Das Ende des Ramadans ist nicht das Ende des Ramadans

von Andrea

Unser Ankunfstag hier in Gambia war der 26. Ramadantag, der Tag, an dem ganz besonders gefeiert wird. Jedenfalls hier. Wir kamen nach einem sehr langen Reisetag endlich in Sanyang an und wunderten uns über die vielen Menschen und vor allem Kinder auf der Straße zu so später Stund? Momodou brummelte zur Erklärung was in seinen nicht vorhandenen Bart, aber so viel war zu verstehen: Es war ein besonderer Tag des zu Ende gehenden Ramadans. Das wurde uns dann so richtig klar, als wir des nächtens kaum Schlaf fanden. Aus allen Moschelautsprechern, ob klar oder in der Tonqualität absolut verzerrt, erreichten uns bis zum frühen Morgen ununterbrochen gesungene Gebete. In der Lautstärke hörbar, in der Tonqualität erschreckend aufschreckend und schlafraubend. Es war ein wirklich langer Reisetag, aber der ununterbrochene schrammelige Lärm raubte uns den Schlaf. Ich war genervt!

Inzwischen neigt sich der Sonnabend und morgen ist der letzte Tag des Ramadan. Morgen ist der Ramadan zu Ende. Dann wird gegessen. Freunde und Nachbarn besuchen und beschenken sich mit Essen, es wird gegessen, es wird sich gegenseitig vergeben, es wird zum Friedhof gegangen um für die Verstorbenen zu beten. So jedenfalls hat es uns heute unser langjähriger Freund Brikama erklärt.

Brikama hat aber auch erzählt, dass Ramadan ein teurer Monat ist, bzw. sein kann. Denn wenn nach Einbruch der Dunkelheit endlich gegessen werden darf, gönnt man sich besondere Sachen zu essen. Und das einen ganzen Ramadan lang.
Ramadan bedeutet ja, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht zu essen, nicht zu trinken, keinen Alkohol zu sich zu nehmen, nicht rauchen und kein Sex. Nach Einbruch der Dunkelheit ist also alles erlaubt. Und weil man sich des Tages über so gequält hat mit der ganzen Enthaltsamkeit, belohnt man sich nächtens dafür ganz besonders. Find ich ja einerseits gut. Aber irgendwie auch merkwürdig.

Das Feiern des Ende vom Ramadan finde ich allerdings sehr schön. So wie Brikama davon schwärmte, wie schön es sei, dann seine nahen und ferneren Nachbarn zu treffen, die man das ganze Jahr über kaum kontaktiert hat, mit Ihnen und seinen Verwandten gemeinsam zu Essen, zu klönen, Essen zu verschenken, Essen geschenkt zu bekommen, so viele verschiedene leckere Sachen, sich gegenseitig bewusst Vergebung auszusprechen, gemeinsam auf den Friedhof zu gehen und der Verstorbenen zu gedenken und für sie zu beten – das ist doch wirklich eine schöne Tradition.

Es gehört vielleicht alles zusammen. Ganz bestimmt stärkt das ganze Geschehen um den Ramadan das Bewusstsein darüber, das nichts selbstverständlich ist und stärkt die Achtsamkeit auf die wesentlichen Dinge, die uns das Leben bietet.

die ersten Tage

von Andrea

Mittwoch Abend kamen wir an. Wie immer holte uns unser Freund Momodou mit seiner vollkommen fertigen Klapperkiste von Mercedes Benz vom Flughafen ab. „I like this car“ gestand er mir, als er mich Freitagmorgen zu Africell in Janbanjelly fuhr. Er lächelte dabei und es gab keinen Grund ihm zu widersprechen. Ich kenne das Gefühl von „I like this car“! Das galt damals meiner Ente 2CV. Und es galt für unsere GERDA.

Das Ankommen war dieses Mal anders. Pateh öffnete das Hoftor, half uns mit dem Gepäck und schloss die Haustür auf. Soweit alles wie immer. Aber drinnen im Haus hatte er das Licht schon angemacht und eine freundlich warme Atmosphäre empfang uns. Die Matratzen waren bezogen und das Moskitonetzt frisch gewaschen aufgehängt. Angekommen!

Am nächsten Tag: das Auto. Zum ersten Mal hatten wir es nicht auf dem betonierten Untergrund, sondern auf dem Boden abgestellt. Über die Regenzeit. Es war während der Regenzeit mit den Vorderrädern bis zu den Felgen im Schlamm eingesackt. Die Folge war, dass das rechte Vorderrad sich nicht mehr drehte, weil die Bremsbacken festgerostet war. Die Servolenkung machte komische Geräusche. Der Auspuff war abgegammelt. Aber die Batterie war intakt und das Auto sprang nach einem Jahr sofort an. Also: alles in Budder!

Zurück in Gambia

von Andrea

Von weit weg und nach längerer Zeit nicht mehr hier gewesen seins lässt es sich leicht sagen: weg damit, lass es uns verkaufen. Das Haus in Sanyang, Gambia. Und dann bist Du da, hast die ersten paar Tage mit den üblichen Scherereien überstanden, liegst am Strand, triffst Bekannte aus England, die Du schon seit Jahren, seit vor Corona, nicht mehr gesehen hast, aber hier kennengelernt hast und an Du viel gedacht hast in den Jahren, wieder, kommst nach Hause, in Dein Haus in Sanyang, alles ist aufgeräumt, Ali und Maimouna sind ein Paar und wollen heiraten-was soll ich sagen? Dies ist Heimat geworden. Ein Stück zuhause. All diese Menschen und noch mehr würden mir fehlen. Und vielleicht würden sie auch mich, uns vermissen?

Wieder in Deutschland

Gestern sind wir in Swinemünde über die Grenze von Polen nach Deutschland gefahren und haben in einem Hotelrestaurant am Strand Fisch gegessen, und zwar, wie ich ihn am liebsten mag, mit Salat und gegrillt. In Gambia esse ich fast nur Fisch, frisch, gegrillt, mit Salat. Jawlas Koch weiß einfach, wie man ihn zubereitet…Auch in Finnland habe ich, wenn wir essen gegangen sind, Fisch gegessen, und zwar Lachs. In Deutschland esse ich keinen Lachs, weil er meist aus diesen Fischzuchtbetrieben in Norwegen kommt. Ein Bericht im Fernsehen kürzlich darüber hat mir endgültig den Appetit auf Lachs verdorben. Vor ein paar Jahren, als Kurt und ich eine Tour mit dem Lotus um die britische Insel gemacht haben, bekamen wir in Westschottland zum Frühstück eine Scheibe geräucherten Lachs, für den ich meine Seele verkauft hätte. Sein Kumpel fängt und räuchert ihn selber, erklärte mir der Pensionswirt. Okay, ich behalte meine Seele und heirate den Freund. – Wir fuhren weiter, ohne ich dem Typen einen Heiratsantrag machen konnte. Ach ja, und ich war ja auch schon mit diesem geilen Lotustypen verheiratet….

In Finnland war der Lachs nicht nur unglaublich lecker, sondern stand auf den Speisekarten preislich in der obersten Kategorie. Ich gehe davon aus, dass er aus den finnischen Flüssen und Seen kam. Wildlachs eben. Immer über offener Flamme gegrillt. Zum dahinschmelzen. Es gab jetzt keinen Angler, den ich dafür hätte heiraten wollen. Ich habe meinen Kurt. Der fängt mir zwar keinen Lachs, noch nicht, aber er hat soviel andere Qualitäten.

Als wir nach Polen kamen, hatte ich ein Restaurant mit besten Bewertungen ausgesucht, dass Seezunge, Heilbutt und Kabeljau auf der Speisekarte hatte. Kurt wählte die Seezunge und ich den Kabeljau, dazu durfte ich mich noch am Salatbuffet bedienen. Aumann, die Salate waren alles so sauer eingelegtes Zeugs und die Fische waren mehlig paniert und in der Frittenölbude gegart. Nichts, was meinen Gaumen erfreuen kann.

Es wird Zeit, nach Hause zu kommen. Ich werde allmählich ungnädig. Das Wetter ist einfach oberöde. In GERDA ist es immer noch sehr gemütlich. Aber der Bewegungsradius ist doch eingeschränkt. Vielleicht fehlen mir auch einfach nur Babsi, die mich bestimmt ignoriert, wenn sie mich endlich wieder sieht, wie Katzen nun mal so sind. Aber Macho, mein lieber Macho, Blanco, die Jungs halt, ich freu mich so auf sie…

Morgen werden wir noch einmal irgendwo übernachten, übermorgen geht es nach Hause.

Wenn Lomé, die Perle Westafrikas ist…

….dann ist Danzig die Perle der Ostsee.

Gestern Abend gegen sieben kamen wir in Danzig an und auf der Suche nach einem günstigen Stellplatz landeten wir vor dieser Weinspelunke. Spelunke trifft es vielleicht nicht so richtig. Es ist ein Weinladen allererster Güte. Laden und Schenke und Restaurant. Alles zusammen. Leider war das Restaurant im Obergeschoss dabei zu schließen, aber unten konnten wir noch eine teure Flasche Wein kaufen und uns an der Weinbar von der perfekt englisch sprechenden, hübschen, jungen Sommelière den ausgeschenkten Wein erklären lassen. Himmel! war das exquisite! Hat so einen Spaß gemacht! Auch die junge Frau, die weltoffen, aufgeschlossen und mich einfach nur begeistert hat! Nur zur Erinnerung: hier schreibt Andrea. Und dann noch ein paar leckere Oliven dazu! Grüne und schwarze! Ach, das Leben kann so schön sein! Lass uns nach Italien fahren! Oder Frankreich? Oder Spanien, Portugal….

Dort haben wir dann aber doch nicht übernachtet, sondern sind kackendreist ins Zentrum auf einen schlimmen, unbefestigten, öffentlichen Parkplatz, fussläufig von der Altstadt gefahren, und haben dort übernachtet. So waren wir heute Vormittag zeitig in der absolut sehenswerten Altstadt mit ihrem Krantor, der Marienkirche und all diesen wunderschönen Altstadthäusern, die doch sehr an unsere Hansehäuser erinnern. Danzig ist hier jedenfalls wunderwunderschön!

Und dann die weihnachtlich geschmückten Hauseingänge…

Tag 25: Danzig – Kolberg, km: 5989

Nach einem ausgiebigen Frühstück waren wir schon um 10:30 Uhr unterwegs und erkundeten die Altstadt. Der Parkplatz stellte sich wirklich als Glücksgriff heraus. Zuerst zum Krantor, wo in früheren Zeiten die Schiffe leergekrant wurden. Dahin verbirgt sich die Altstadt mit noch sehr gut erhaltenen Fachwerkhäusern, die zum Teil auch noch restauriert werden. Es sieht noch alles sehr altertümlich aus und so kann man sich gut vorstellen, wie das früher gewesen ist. Wir spazieren an den verschiedenen Läden, die vornehmlich BErnstein verkaufen, vorbei. Andrea entdeckt dann einen Laden, wo sie auch fündig wird, aber bemerkenswert ist der Besitzer des Ladens, der sogar eine Urkunde ausgestellt hat, dass er nur baltischen Bernstein verarbeitet. Auch hat er noch ein Bild in seinem Laden, welches ihn zusammen mit Lech Walesa zeigt.

Wir bummeln so vor uns hin und auf ziemlich kurzer Distanz ist die geballten Sehenswürdigkeiten zu betrachten. Es ist zier zu viel für uns. Wir werden erschlagen von der Menge der zu bestaunenden Dinge.

Wir gehen zum Auto zurück und fahren weiter Richtung Kolberg. Dort finden wir aber auch keinen Campingplatz und fahren weiter am Strand lang, wo wir direkt hinter den Dünen einen klasse Stellplatz finden.

Tag 24: Kaunas – Danzig, km: 5710

Eigentlich wollten wir gar nicht so weit fahren und hatten halt in Orysz gemacht. Idyllisch an einem großen See gelegen, aber vollkommen abgelegen und hier war nichts los. So haben wir nur die Nudeln vom Vortag noch einmal aufgewärmt und sind weiter nach Danzig.

Das waren über 500 km zu fahren und wir kamen in der Dunkelheit dort an. Aber wir hatten einen guten Stellplatz in der Nähe von einem Sportleistungszentrum, wo wir auch die verschiedenen Dinge hätten nutzen können. Das Prozedere war eindeutig beschrieben und so haben wir die Rezeption gesucht, wo wir den Transponder zuzm Öffnen des Tores bekommen sollten. Nach längerer Suche haben wir die Rezeption auch gefunden, aber die Dame dort tat so, als ob der Platz nicht geöffnet sei. Und so wiederholte sie immer wieder „no“, Kurt wurde an den Sketch erinnert, wo auch die Bedienstete immer wieder sagt: „der Computer sagt nein“. Da war natürlich guter Rat teuer, wir hatten uns schon unter super Duschen gewähnt. Zu guter Letzt haben wir noch so einen ranzigen Parkplatz voller tiefer Löcher gefunden. Wir waren damit aber gar nicht so zufrieden. Aber in der Nähe war noch eine Bar offen und so sind wir erst einmal dorthin gegangen.

Die Bar stellte sich als ein Weinladen heraus, den wird Andrea jetzt genauer beschreiben.

Wir haben dann doch noch mal umgeparkt und zwar direkt in der Nähe des Krantores, am Eingang zur Altstadt. Und das war auch eine gute Idee, denn dort war es sehr ruhig und fussnah zur Altstadt.