von Andrea

Ein Loch im Boden ist ja erstmal nichts Schlimmes. Auf dem Bild kann man es unten rechts in der Ecke unter der Wurzel sehen. Diese Wurzel gehört zu einem riesigen Baum auf unserem Grundstück. Der Baum ist der Tallobaum. Seine Früchte reifen im Oktober/November, fallen auf den Boden und sind bei Jung und Alt außerordentlich beliebt. Sie sind von der Form einer Kiwi sehr ähnlich und auch innen sind sie gritzegrün. Allerdings sehr, sehr faserig. Man kann sie auslutschen, oder Saft von ihnen machen. Ich mach das nicht, weil sie auch unfassbar sauer sind. Aber auch sehr reich an Vitamin C.
Jeden Herbst gibt es eine regelrechte Schlacht um unsere Tallofrüchte. Als gäbe es ohne unserer Tallos kein Morgen, versuchen Kinder in unser Grundstück einzudringen und die Früchte zu klauen. Es gibt keine Handhabe dagegen, außer man setzte sich während der Tallozeit unter den Baum und bewachte ihn. Aber das ist ja irgendwie auch sehr kindisch. Pateh hat auch schon Tallokinderdiebe geschnappt und bei der Polizei vorgeführt. Genutzt hat’s nix.
Jahrelang wurden wir nur in Verbindung mit Mr. T als richtige Menschen wahrgenommen. Von T, ausgesprochen „Tie“, englisch halt, hatten wir das Grundstück damals gekauft. Mittlerweile treffen wir Menschen, die T nicht kennen, aber uns in Zusammenhang mit dem Grundstück mit dem großen Baum bringen. Auch fast alle Kinder in der Straße, die zu unserem Haus führt, kennen mittlerweile meinen Namen und beweisen dieses bedeutende Wissen gern mit im Chor laut gerufenen „Andrrria!!!“, wenn ich vorbei fahre oder gehe. Das ist nicht immer so richtig schön, aber schön ist es, sich von T zu emanzipieren und selber an Bedeutung zu gewinnen.
Pateh sagt, in dem Loch im Boden unter der Wurzel wohnt eine zwei, drei Meter lange, dicke Schlange, ein Python. Aber das macht nichts. Pythons sind Würgeschlangen und Schlangen fänden uns Menschen sowieso doof und würden eher weglaufen, wenn sie uns sehen. Nicht mal riechen mögen sie uns! Wenn ich nun in unserem Bantaba sitze, so wie Kurt gerade auf dem Foto oben, habe ich immer ein Auge auf das Loch gerichtet. Ich möchte so gern mal sehen, wie die Schlange das Loch verlässt und vor uns flüchtet…
Dann haben wir einen weiteren Mitbewohner, oder eher eine Mitbewohnerin, eine Waranin. „It’s an animal that looks like a snake but has four legs and a small head.“ erklärte Pateh. Letztes Jahr hatte sie zwei Kleine! Sie wohnt weiter vorne auf dem Grundstück, auch in einem Loch im Boden. Aber sie sei sehr schüchtern. Wenn ich mich nicht ganz und gar verguckt habe, habe ich eines der Jungen heute Morgen vorbeieilen sehen. Es ist die Palme auf dem Nachbargrundstück hochgeeilt.