my family

Joan Armatrading

Have you met my family
Wouldn’t take long to know them well
Though they number from one to a million
In this house we all dwell

Say hello to Jo, she’s a goddess
And to Paul, he is a saint
And Adam, he’s from the forest
And to Jane, all day she paints

You ask me how I feel now
Well I will tell you no lie
Jessie, you bring the sunshine
And you can see it in her eyes

Johnny tends the garden
And little David sows the seeds
Our manna is from heaven

He gives us all we need

He is Peter
He’s a piper, yeah
And they will never grow old
So I bid you welcome
Welcome brothers, yeah
Welcome to the fold

You ask me how I feel now
Well I will tell you no lie
Jessie, you bring the sunshine
And you can see it in her eyes

Johnny tends the garden
And little David sows the seeds
Our manna is from heaven
He gives us all we need

Das Ende des Ramadans ist nicht das Ende des Ramadans

von Andrea

Unser Ankunfstag hier in Gambia war der 26. Ramadantag, der Tag, an dem ganz besonders gefeiert wird. Jedenfalls hier. Wir kamen nach einem sehr langen Reisetag endlich in Sanyang an und wunderten uns über die vielen Menschen und vor allem Kinder auf der Straße zu so später Stund? Momodou brummelte zur Erklärung was in seinen nicht vorhandenen Bart, aber so viel war zu verstehen: Es war ein besonderer Tag des zu Ende gehenden Ramadans. Das wurde uns dann so richtig klar, als wir des nächtens kaum Schlaf fanden. Aus allen Moschelautsprechern, ob klar oder in der Tonqualität absolut verzerrt, erreichten uns bis zum frühen Morgen ununterbrochen gesungene Gebete. In der Lautstärke hörbar, in der Tonqualität erschreckend aufschreckend und schlafraubend. Es war ein wirklich langer Reisetag, aber der ununterbrochene schrammelige Lärm raubte uns den Schlaf. Ich war genervt!

Inzwischen neigt sich der Sonnabend und morgen ist der letzte Tag des Ramadan. Morgen ist der Ramadan zu Ende. Dann wird gegessen. Freunde und Nachbarn besuchen und beschenken sich mit Essen, es wird gegessen, es wird sich gegenseitig vergeben, es wird zum Friedhof gegangen um für die Verstorbenen zu beten. So jedenfalls hat es uns heute unser langjähriger Freund Brikama erklärt.

Brikama hat aber auch erzählt, dass Ramadan ein teurer Monat ist, bzw. sein kann. Denn wenn nach Einbruch der Dunkelheit endlich gegessen werden darf, gönnt man sich besondere Sachen zu essen. Und das einen ganzen Ramadan lang.
Ramadan bedeutet ja, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht zu essen, nicht zu trinken, keinen Alkohol zu sich zu nehmen, nicht rauchen und kein Sex. Nach Einbruch der Dunkelheit ist also alles erlaubt. Und weil man sich des Tages über so gequält hat mit der ganzen Enthaltsamkeit, belohnt man sich nächtens dafür ganz besonders. Find ich ja einerseits gut. Aber irgendwie auch merkwürdig.

Das Feiern des Ende vom Ramadan finde ich allerdings sehr schön. So wie Brikama davon schwärmte, wie schön es sei, dann seine nahen und ferneren Nachbarn zu treffen, die man das ganze Jahr über kaum kontaktiert hat, mit Ihnen und seinen Verwandten gemeinsam zu Essen, zu klönen, Essen zu verschenken, Essen geschenkt zu bekommen, so viele verschiedene leckere Sachen, sich gegenseitig bewusst Vergebung auszusprechen, gemeinsam auf den Friedhof zu gehen und der Verstorbenen zu gedenken und für sie zu beten – das ist doch wirklich eine schöne Tradition.

Es gehört vielleicht alles zusammen. Ganz bestimmt stärkt das ganze Geschehen um den Ramadan das Bewusstsein darüber, das nichts selbstverständlich ist und stärkt die Achtsamkeit auf die wesentlichen Dinge, die uns das Leben bietet.

die ersten Tage

von Andrea

Mittwoch Abend kamen wir an. Wie immer holte uns unser Freund Momodou mit seiner vollkommen fertigen Klapperkiste von Mercedes Benz vom Flughafen ab. „I like this car“ gestand er mir, als er mich Freitagmorgen zu Africell in Janbanjelly fuhr. Er lächelte dabei und es gab keinen Grund ihm zu widersprechen. Ich kenne das Gefühl von „I like this car“! Das galt damals meiner Ente 2CV. Und es galt für unsere GERDA.

Das Ankommen war dieses Mal anders. Pateh öffnete das Hoftor, half uns mit dem Gepäck und schloss die Haustür auf. Soweit alles wie immer. Aber drinnen im Haus hatte er das Licht schon angemacht und eine freundlich warme Atmosphäre empfang uns. Die Matratzen waren bezogen und das Moskitonetzt frisch gewaschen aufgehängt. Angekommen!

Am nächsten Tag: das Auto. Zum ersten Mal hatten wir es nicht auf dem betonierten Untergrund, sondern auf dem Boden abgestellt. Über die Regenzeit. Es war während der Regenzeit mit den Vorderrädern bis zu den Felgen im Schlamm eingesackt. Die Folge war, dass das rechte Vorderrad sich nicht mehr drehte, weil die Bremsbacken festgerostet war. Die Servolenkung machte komische Geräusche. Der Auspuff war abgegammelt. Aber die Batterie war intakt und das Auto sprang nach einem Jahr sofort an. Also: alles in Budder!

Zurück in Gambia

von Andrea

Von weit weg und nach längerer Zeit nicht mehr hier gewesen seins lässt es sich leicht sagen: weg damit, lass es uns verkaufen. Das Haus in Sanyang, Gambia. Und dann bist Du da, hast die ersten paar Tage mit den üblichen Scherereien überstanden, liegst am Strand, triffst Bekannte aus England, die Du schon seit Jahren, seit vor Corona, nicht mehr gesehen hast, aber hier kennengelernt hast und an Du viel gedacht hast in den Jahren, wieder, kommst nach Hause, in Dein Haus in Sanyang, alles ist aufgeräumt, Ali und Maimouna sind ein Paar und wollen heiraten-was soll ich sagen? Dies ist Heimat geworden. Ein Stück zuhause. All diese Menschen und noch mehr würden mir fehlen. Und vielleicht würden sie auch mich, uns vermissen?

Wieder in Deutschland

Gestern sind wir in Swinemünde über die Grenze von Polen nach Deutschland gefahren und haben in einem Hotelrestaurant am Strand Fisch gegessen, und zwar, wie ich ihn am liebsten mag, mit Salat und gegrillt. In Gambia esse ich fast nur Fisch, frisch, gegrillt, mit Salat. Jawlas Koch weiß einfach, wie man ihn zubereitet…Auch in Finnland habe ich, wenn wir essen gegangen sind, Fisch gegessen, und zwar Lachs. In Deutschland esse ich keinen Lachs, weil er meist aus diesen Fischzuchtbetrieben in Norwegen kommt. Ein Bericht im Fernsehen kürzlich darüber hat mir endgültig den Appetit auf Lachs verdorben. Vor ein paar Jahren, als Kurt und ich eine Tour mit dem Lotus um die britische Insel gemacht haben, bekamen wir in Westschottland zum Frühstück eine Scheibe geräucherten Lachs, für den ich meine Seele verkauft hätte. Sein Kumpel fängt und räuchert ihn selber, erklärte mir der Pensionswirt. Okay, ich behalte meine Seele und heirate den Freund. – Wir fuhren weiter, ohne ich dem Typen einen Heiratsantrag machen konnte. Ach ja, und ich war ja auch schon mit diesem geilen Lotustypen verheiratet….

In Finnland war der Lachs nicht nur unglaublich lecker, sondern stand auf den Speisekarten preislich in der obersten Kategorie. Ich gehe davon aus, dass er aus den finnischen Flüssen und Seen kam. Wildlachs eben. Immer über offener Flamme gegrillt. Zum dahinschmelzen. Es gab jetzt keinen Angler, den ich dafür hätte heiraten wollen. Ich habe meinen Kurt. Der fängt mir zwar keinen Lachs, noch nicht, aber er hat soviel andere Qualitäten.

Als wir nach Polen kamen, hatte ich ein Restaurant mit besten Bewertungen ausgesucht, dass Seezunge, Heilbutt und Kabeljau auf der Speisekarte hatte. Kurt wählte die Seezunge und ich den Kabeljau, dazu durfte ich mich noch am Salatbuffet bedienen. Aumann, die Salate waren alles so sauer eingelegtes Zeugs und die Fische waren mehlig paniert und in der Frittenölbude gegart. Nichts, was meinen Gaumen erfreuen kann.

Es wird Zeit, nach Hause zu kommen. Ich werde allmählich ungnädig. Das Wetter ist einfach oberöde. In GERDA ist es immer noch sehr gemütlich. Aber der Bewegungsradius ist doch eingeschränkt. Vielleicht fehlen mir auch einfach nur Babsi, die mich bestimmt ignoriert, wenn sie mich endlich wieder sieht, wie Katzen nun mal so sind. Aber Macho, mein lieber Macho, Blanco, die Jungs halt, ich freu mich so auf sie…

Morgen werden wir noch einmal irgendwo übernachten, übermorgen geht es nach Hause.

Wenn Lomé, die Perle Westafrikas ist…

….dann ist Danzig die Perle der Ostsee.

Gestern Abend gegen sieben kamen wir in Danzig an und auf der Suche nach einem günstigen Stellplatz landeten wir vor dieser Weinspelunke. Spelunke trifft es vielleicht nicht so richtig. Es ist ein Weinladen allererster Güte. Laden und Schenke und Restaurant. Alles zusammen. Leider war das Restaurant im Obergeschoss dabei zu schließen, aber unten konnten wir noch eine teure Flasche Wein kaufen und uns an der Weinbar von der perfekt englisch sprechenden, hübschen, jungen Sommelière den ausgeschenkten Wein erklären lassen. Himmel! war das exquisite! Hat so einen Spaß gemacht! Auch die junge Frau, die weltoffen, aufgeschlossen und mich einfach nur begeistert hat! Nur zur Erinnerung: hier schreibt Andrea. Und dann noch ein paar leckere Oliven dazu! Grüne und schwarze! Ach, das Leben kann so schön sein! Lass uns nach Italien fahren! Oder Frankreich? Oder Spanien, Portugal….

Dort haben wir dann aber doch nicht übernachtet, sondern sind kackendreist ins Zentrum auf einen schlimmen, unbefestigten, öffentlichen Parkplatz, fussläufig von der Altstadt gefahren, und haben dort übernachtet. So waren wir heute Vormittag zeitig in der absolut sehenswerten Altstadt mit ihrem Krantor, der Marienkirche und all diesen wunderschönen Altstadthäusern, die doch sehr an unsere Hansehäuser erinnern. Danzig ist hier jedenfalls wunderwunderschön!

Und dann die weihnachtlich geschmückten Hauseingänge…

Riga, sagte wer was von Riga?

Ich glaube, ich habe schon Menschen von Riga schwärmen hören. Aber das kann eigentlich nicht sein. Es ist einer der hässlichsten Orte, die ich bislang gesehen habe. Riga ist mit rund 600.000 Einwohnern keine so große Stadt, aber der Ballungsraum mit weiteren rund 500.000 Einwohnern macht ihn zum größten in den baltischen Ländern. Die Einfahrt ins Zentrum von Riga zieht und zieht und zieht sich, vorbei an Dutzenden und Aberdutzenden Wohnblöcken aus Sowietzeiten – grau, verkommen, vernachlässigt, vergessen, verarmt, hässlich. Die Eingangstüren kleine dunkle Löcher mit Griff – allein beim Anblick dieser Eingangstüren, durch die tagtäglich so viele Menschen ein- und ausgehen, steigt mir der Geruch von alten, modrigen, muffigen, bestenfalls Bohnerwachstreppenhäusern, Urin und Kohlsuppe in die Nase. Hoffentlich muss ich niemals so ein Gebäude betreten! Dicht an dicht stehen sie, graue Plattenbauten, Balkone, auf die sich schon seit langer Zeit niemand mehr getraut hat, mit verrosteten Geländern und schwarz verdreckten Plastikverkleidungen, in denen ich mir ein glückliches Leben einfach nicht so richtig vorstellen kann. Zwischen den Klötzen Gras, ein paar Birken, immerhin. Keine Bank, kein Blumenbeet, Kinder gibt es hier entweder nicht, oder sie wurden vergessen. Kein Platz zum Spielen.
Im Zentrum: Glanz und Gloria, moderne Bauten. Alles Fake? Ja!
Wehmütig denke ich an die schönen Häuser in Skandinavien, mit den großen, weißen, von innen beleuchteten Sternen, den Schwibbögen, in jedem einzelnen Fenster, draußen Lichterketten in Bäumen und auf Mauern, die die wenigen hellen Stunden im Winter vergessen machen sollen und durch die lange Winternacht helfen. Wie sah das alles so schön aus im Schnee, der hier immer weiß war. In Riga ist der letzte verbliebene Schnee schwarz.

Auf dem Weg über Land an die Ostseeküste. Immer noch in Lettland. So viele vergessene, verlassene, verkommene, Gehöfte und Häuser. Das tut mir im Herzen weh. Die schönste Landschaft, aber hier, so abgelegen, will oder kann man nicht mehr leben. Lieber in Riga, im grauen Plattenbau mit schwarzem Schnee.

Wir sind jetzt in Liepaja, Lettland, am Ostseestrand. Hier bleiben wir bis übermorgen. Nach all den Städten, Helsinki, Tallin, Riga, muss ich an die frische Luft, muss den Horizont sehen, muss durchatmen.

Die glücklichsten Menschen

Legen in Finnland. Schon seit mehreren Jahren stehen die Finnen in der Liste der glücklichsten Menschen auf Platz 1. Was machen die Finnen richtig? Was machen sie anders als wir?

Tja, vielleicht ist da die Fantasie, mit der sie den Weihnachtsmann zum ganz großen Geschäft ausbauen?
Oder das Marihuana?
Oder Vertrauen? Wie sie uns ihre Campingplätze zur Verfügung gestellt haben mit dem Vertrauen darauf, dass wir das richtige machen werden, nämlich bezahlen. Ohne Kassenhäuschen oder Code, der per SMS zugesendet wird (wie in Schweden). Sie vertrauen darauf, dass es gut geht. Das ist doch schon mal ein wichtiger Punkt, wenn man das belastende Misstrauen einfach ablegt und darauf vertraut, dass es gut läuft.

Das zeigte sich auch in Restaurants, in denen wir waren (natürlich in Finnland. In Schweden war ja alles geschlossen) und in denen die gesamte Küche eine lange, offene Zeile ist und bei der der Gast den Köchen und dem Küchenpersonal bei der Arbeit zuschauen kann. „Wir haben keine Geheimnisse, auch nicht in der Küche! Schaut ruhig her, wir haben nichts zu verbergen!“

Oder gestern Abend auf dem Stellplatz: wir deckten gerade unsere Frontscheibe mit der Isomatte ab, als eine Familie aus einem PKW ausstieg und die Frau zu uns meinte „your car is so nice! It looks so positiv!“

Heute Morgen haben wir Skandinavien verlassen und sind mit der Fähre nach Talli in Estland übergesetzt. Tschüss Skandinavien, Tschüss Finnland, Tschüss ihr Lieben Finnen!

Die Felsenkirche zu Helsinki

….auf dem helsinkischen Tempelberg errichtet…

Na klar, die lustigen, einfallsreichen Finnen! Dachte ich beim Anblick dieser helsinkischen Sehenswürdigkeit. Mal ein Loch in den Felsen sprengen, ein wenig Beton und zack ist sie fertig, die wahnsinnige Sehenswürdigkeit, errichtet 1969! Ist ja nun auch nicht wirklich alt?! Aber wenn wir schon mal extra hier her gefahren sind, steigen wir auch aus und gucken uns diese „Attraktion“ mal an. Und dann sollten wir pro Person 8€ Eintritt zahlen. Ich wäre wieder umgedreht. Wo gibt es denn sowas, dass man für eine Kirche Eintritt zahlen muss??? Mensch, wieviele Kirchen habe ich in diesem Leben in den verschiedensten Ländern schon besichtigt und besucht, aber Eintritt brauchte ich noch nie zahlen! Das wäre ja auch noch schöner! Eintritt für eine Kirche, eine finnische Attraktion wie das Weihnachtsmanndorf.

Aber bevor ich meinen Protest laut äußern konnte, hatte Kurt schon die Eintrittskarten in der Hand und wir begaben in diese Sehenswürdigkeit.

Au backe, Respekt. Das war mal eine Kirche. Unfassbar! Ja, aus dem Granit gesprengt. Mit unbehandelten Wänden aus natürlichen Granit. Ein Dach aus vielen kleinen Fenstern in der fliegenden Dachkonstruktion mit einer Spannweite von locker 30 Metern. Pure, ursprüngliche Natur und ein modernes, zurückhaltendes Design der Einrichtung.
Die Kirche wird dem Expressionismus zugeordnet, und für Expressionismus hatte ich schon immer ein Faible.

Der Plan, hier an diesem Ort eine Kirche zu errichten, ist schon alt, aus den 1930er Jahren. Aber ein Architektenwettbewerb damals blieb ergebnislos. Dann kam der zweite Weltkrieg und der Winterkrieg gegen Russland und das Thema war erstmal keines mehr. Dann, in den 1960er Jahren, wurde erneut ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, und diesmal war ein Entwurf zweier finnischer Brüder dabei, der die damalige Jury überzeugte. Zunächst war dann zwar kein Geld da, aber 1969 konnte das Bauwerk errichtet werden.